• Burnout und Stress sind nicht zu verwechseln

    Burn-out, Stress und Depression sind unterschiedliche Erscheinungsformen. Burn-out kann sich aber durchaus zu einer Depression weiterentwickeln.

     

"Burn-out hört sich besser an als Stress"

Nach einem Test im Internet tauchen Patienten bei Ärzten auf und berichten von ihrem Burn-out. Nur: Manchmal ist's eine handfeste Depression – oder schlicht Stress. Die Unterschiede sind wichtig.

Die Zahl psychischer Erkrankungen steigt und häufig gilt Burn-out als Ursache. Aber ob "ausgebrannt" immer die richtige Diagnose ist, bezweifeln Experten. Der Psychiater und Psychotherapeut Hans Joachim Thimm warnt vor einer Vermischung der Erscheinungsformen Stress, Depressionen und Burn-out. Patienten sagen beim Therapeuten eher, sie hätten Burn-out als eine Depression. "Das hört sich besser an, führt aber dazu, dass Patienten nicht immer richtig behandelt werden", sagte Thimm am Rande der Tagung "Modediagnosen in der Psychiatrie". Er ist Leitender Oberarzt der Allgemeinen Psychiatrie der Dortmunder Klinik des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

Burn-out, Stress und Depression sind unterschiedliche Erscheinungsformen. Burn-out kann sich aber durchaus zu einer Depression weiterentwickeln. Wer dagegen Stresssymptome zeige, unterliege zu hohen Reizen. Darauf reagiere der Körper. Der Mensch wird von innerer Unruhe geplagt, von Leere und Versagensangst. "Die Patienten sagen auch: "Ich bin leer."

 

Hormone nicht vollständig abgebaut

Stresserzeuger sind sehr unterschiedlich: Hitze, Lärm, Konflikte oder Isolation. Der Körper reagiere dauerhaft mit dem Ausstoß von Hormonen, die nicht mehr vollständig abgebaut werden könnten. Als Folgen können sich unter anderem Herz-Kreislauf-Probleme, Stoffwechselkrankheiten, Sexualstörungen oder Magengeschwüre entwickeln.

Depression ist die Aufgabe oder die absolute Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung, Anteilnahmslosigkeit, verzweifelter Affekt. "Da können sie nicht einmal einen Scherz in der Gegenwart der Betroffenen wagen", sagte Thimm. "Manche Patienten wollen solch eine Diagnose nicht wahrhaben."
"Burn-out ist Kampf. Der Zustand ist häufig eine Folge einer Gratifikationskrise. Es geht nicht allein um Geld. Es geht um Anerkennung und um einen sicheren Arbeitsplatz. Verausgabung und Belohnung müssen sich die Waage halten."

 

Arbeit zu unfairen Bedingungen

Thimm sieht drei Gruppen von Betroffenen. Die eine hat ein übersteigertes Anspruchsniveau und eine hohe Neigung, sich zu verausgaben. Andere treffen für sich die Entscheidung, ein unfaires Arbeitsverhältnis zeitweise zu akzeptieren. Die dritte Gruppe ist einfach vom Job abhängig und arbeitet eher zu unfairen Bedingungen als gar nicht.

Die Betroffenen sind müde, matt, abgeschlagen, werden von innerer Unruhe, Reizbarkeit, Nervosität, Aggressivität und innerer Gespanntheit geplagt. "Burn-out ist nicht nur ein individuelles Problem, sondern immer auch ein Problem des Betriebs." Das Syndrom könne nicht einmal als eine Hauptdiagnose im Sinne der WHO Diagnosekriterien verschlüsselt werden. Um es zu kennzeichnen, müsse Depression mit der Zusatzdiagnose "Problem mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung" eingetragen werden.

 

07.07.13, Wolfgang Dahlmann, DIE WELT