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    Nicht nur das Erleben von Stigmatisierung, auch die Antizipation von negativen Reaktionen beeinträchtigen das Leben der Betroffenen.

     

„Burnout“ statt „Depression“ – eine Strategie zur Vermeidung von Stigma?

Calling it “Burnout” Instead of “Depression” – A Strategy to Avoid Stigma?

Menschen mit psychischen Erkrankungen leiden auf zweierlei Art und Weise. Zusätzlich zu den wahrgenommenen Symptomen der eigentlichen Erkrankung müssen sich die Betroffenen mit der Stigmatisierung durch andere Menschen auseinandersetzen. Link und Phelan haben ein Modell entwickelt, das die Stigmatisierung als einen Prozess verschiedener, eng aufeinander bezogener Schritte darstellt. Zuerst werden Unterschiede zwischen Menschen mit psychischen Störungen und anderen Menschen wahrgenommen und benannt (Labeling), etwa durch eine psychiatrische Diagnose oder einen umgangssprachlichen Begriff. Dieses Label ist dann mit bestimmten negativen Stereotypen verbunden, die Personen werden mit unerwünschten Eigenschaften in Zusammenhang gebracht. Die als unterschiedlich wahrgenommenen Menschen werden dabei zu einer Gruppe zusammengefasst und als fremde Gruppe wahrgenommen (Separation). Diese Wahrnehmung ist mit negativen emotionalen Reaktionen verbunden. Als Ergebnis dieses Prozesses werden die Betroffenen diskriminiert und erleben einen Statusverlust auf unterschiedlichen Ebenen (materiell, finanziell, sozial etc.).

Nicht nur das Erleben von Stigmatisierung, auch die Antizipation von negativen Reaktionen beeinträchtigen das Leben der Betroffenen, die sich zurückziehen und bestimmte Situationen vermeiden. Auf diese Weise behindert Stigma das Aufsuchen von Hilfe, verringert das Selbstwertgefühl der Betroffenen und behindert ihre Genesung. Es wäre also überaus wünschenswert, Stigmatisierungen zu reduzieren oder zu verhindern, und es stellt sich die Frage, ob nicht durch die Verwendung einer anderen Krankheitsbezeichnung das Stigma einer so weitverbreiteten Krankheit wie der Depression vermieden werden könnte. In diesem Zusammenhang ist augenfällig, dass aktuell der Begriff „Burnout“ eine immer größere Rolle zu spielen scheint. Besonders wenn in der Öffentlichkeit stehende Personen psychische Probleme entwickeln, wird in den Medien oder von den Betroffenen selbst rasch ein Zusammenhang mit einem möglichen Burnout diskutiert.

J. Bahlmann, M. C. Angermeyer, G. Schomerus

Aus der Zeitschrift Psychiatrische Praxis 2013; 40: 78–82

 

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