• Zebrafische belegen: Chronischer Stress erzeugt Depressionen und Angstzustände

    Zebrafische können offenbar helfen, die Zusammenhänge zwischen Stress, dem Stresshormon Kortisol sowie Depressionen und Angstzuständen besser zu verstehen.

     

Zebrafische belegen: Chronischer Stress erzeugt Depressionen und Angstzustände

Zebrafische können offenbar helfen, die Zusammenhänge zwischen Stress, dem Stresshormon Kortisol sowie Depressionen und Angstzuständen besser zu verstehen. Wissenschaftler um Herwig Baier vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried hoffen zudem, dass sie mit den zur Erforschung psychiatrischer Fragestellungen bislang kaum genutzten Tieren ein Modell für die Entwicklung und Prüfung neuer Pharmaka zur Behandlung psychischer Erkrankungen gefunden haben.

 

Die Forscher arbeiten mit Zebrafischen, die aufgrund einer Mutation chronisch gestresst sind und in Verhaltenstests Anzeichen einer Depression zeigen. "Diese Fischmutanten verhalten sich sehr merkwürdig, wenn wir sie in ein neues Aquarium umsetzen", berichtet Herwig Baier. Für alle Tiere bedeutet das Umsetzen in eine ungewohnte Umgebung Stress. Die Trennung von Artgenossen setzt die Fische zusätzlich unter Druck. Zebrafische ziehen sich in solch einer Situation erst einmal zurück, schwimmen zunächst nur zögerlich, bis die Neugier siegt und sie beginnen, den neuen Tank zu erkunden. Die mutierten Fische reagieren jedoch besonders stark auf die neue Behausung: Sie lassen sich zum Beckenboden sinken und verhalten sich ganz still. An die neue Umgebung gewöhnen sie sich nur äußerst langsam.

 

Eine Analyse der "lethargischen" Fische ergab deutlich erhöhte Kortisol- sowie CRH- und ACTH-Spiegel. "Wir vermuten daher, dass die Fische unter chronischen Stress stehen und dadurch bedingt ein depressives oder überängstliches Verhalten zeigen", so Baier. Denn gaben die Wissenschaftler das Antidepressivum Fluoxetin ins Wasser, so verhielten sich die Tiere kurz später ganz normal. Die Beobachtungen erklären sich durch eine Mutation im Glukokortikoid-Rezeptor, die offenbar die Hemmung der Ausschüttung der Stresshormone CRH und ACTH verhindert. Dieser Regelmechanismus erlaubt es ansonsten vielen Tierarten wie auch dem Menschen, mit Stress umzugehen. Bei den mutierten Tieren blieb jedoch der Stresshormonlevel hoch, was offenbar das Auftreten von Depressionen und Angstzuständen triggert.