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    Mit dem computergestützten Therapieprogramm „deprexis“ können MS-Patienten via Internet direkt von zu Hause aus Hilfe erhalten.

     

Computergestütztes Therapieprogramm für Depressionen bei MS

Eine neue Option zur Behandlung von Depressionen bei Patienten mit Multipler Sklerose haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) entwickelt und in einer Studie evaluiert: Mit dem computergestützten Therapieprogramm „deprexis“ können MS-Patienten via Internet direkt von zu Hause aus Hilfe erhalten.


Neben den motorischen Einschränkungen sind kognitive Defizite sowie psychiatrische Störungen ein nicht seltenes Problem bei der MS. Vor allem das Risiko, eine Depression zu entwickeln, ist bei MS-Patienten drei- bis viermal höher als in der Allgemeinbevölkerung. Obwohl die Depressionen häufig erhebliche Beeinträchtigungen im Familien- und Arbeitsleben bedingen, werden sie jedoch oftmals bei Patienten mit MS nicht diagnostiziert und therapiert. Ein Grund hierfür kann die Sorge vor potentiellen Nebenwirkungen der Medikation sein, wie die Wissenschaftler des UKE mitteilen. Eine weitere Ursache ist die oft eingeschränkte Gehfähigkeit und Mobilität vieler Patienten mit MS, die den Zugang zu klassischen Depressionsbehandlungen wie der ambulanten Psychotherapie erschweren kann.

„Ziel unserer Studie war es deshalb, psychologische Methoden der Depressionsbehandlung den vielen Patienten mit MS zugänglich zu machen, die an Depressionen leiden, denen es aber aufgrund ihrer neurologischen Symptome schwer fällt, eine passende Behandlung zu finden“, erklärt Professor Dr. Christoph Heesen, Neurologe und Leiter der MS-Tagesklinik des UKE. Dabei setzten die Forscher das Computer-Programm „deprexis“ als Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie ein, auf das die Patienten per Internet direkt von zu Hause zugreifen konnten. „Das Verfahren greift die wesentlichen Elemente der Verhaltenstherapie auf“, berichtet Professor Dr. Steffen Moritz von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des UKE, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. „Es nutzt dazu künstliche Intelligenz, um eine dialogähnliche Situation mit dem Patienten zu erzeugen. So werden die Patienten beim Erlernen neuer Strategien unterstützt, mit dem Ziel, depressive Denkstrukturen zu vermeiden und wieder aktiv am Leben teilzunehmen.“

90 Patienten mit MS wurden für die Studie randomisiert einer dreimonatigen Therapie mit dem „deprexis“-Programm oder einer Wartegruppe zugewiesen. Nach drei Monaten hatten sich die Depressionsscores in der Interventionsgruppe signifikant verbessert, während sie in der Wartegruppe unverändert anhielten. Auch gaben die Patienten in der Therapiegruppe eine signifikant verringerte Ermüdbarkeit und eine erhöhte Lebensqualität an.

„Die hohe Depressionsrate bei Patienten mit MS hat neben psychologischen vermutlich auch biologische Ursachen, da die MS offenbar auch zu Nervenschädigungen in Hirnregionen führen kann, die für das emotionale Erleben wichtig sind“, erklärt Studienleiter Professor Dr. Stefan Gold, Psychologe und Neurowissenschaftler am Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose des UKE. „Es wäre interessant, in weiteren Studien zu prüfen, ob eine erfolgreiche Behandlung der Depression wie etwa durch „deprexis“ bei den Patienten möglicherweise auch direkte Effekte auf Hirnveränderungen hat.“

Die Frage nach den psychologischen und biologischen Auswirkungen solcher Programme soll in zukünftigen Studien weiter untersucht werden. Sollte sich der Nutzen von „deprexis“ in den weiteren Studien bestätigen, könnte das Programm durch die einfache Verfügbarkeit aus Sicht der Hamburger Wissenschaftler vielen MS-Patienten mit Depressionen zugänglich gemacht werden.


Literatur:
Fischer A et al., The Lancet Psychiatry 2015; Epub ahead of print Feb 4, 2015.

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