• Demenz

    Für die pflegenden Angehörigen ist die Versorgung von Demenzkranken häufig eine hohe seelische und körperliche Herausforderung.

     

Demenz: Verständnis für die Erkrankung mindert die Belastung

Ein Psychologenteam der Universität Jena hat zeigen können, dass sich die Belastung von Angehörigen, die Demenzkranke pflegen, durch eine telefonisch vermittelte kognitive Verhaltenstherapie mindern lässt. Nun werden für ein weiteres Teilprojekt, bei dem die Unterstützung via Internet erfolgen soll, Teilnehmer gesucht.

Der Begriff der Demenz bedeutet von der lateinischen Wortherkunft her „unvernünftig“ und das dürfte in den Augen der Angehörigen von Demenzpatienten eine treffende Umschreibung sein. Sie können Handlungen des Erkrankten wie das immerwährende Verlegen von Gegenständen nicht verstehen, sondern müssen lernen, es als Krankheit zu akzeptieren. Für die pflegenden Angehörigen ist die Aufgabe, den Betroffenen rund um die Uhr zu versorgen, deshalb auch häufig eine hohe seelische und körperliche Herausforderung und oft sogar Überforderung. Untersuchungen zufolge resultiert ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen bei den pflegenden Angehörigen, wobei depressive Symptome im Vordergrund stehen.

Im Rahmen des Projekts „Telefonische Therapie von Angehörigen von Demenzkranken“ (Tele.TAnDem) beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe um Professor Dr. Gabriele Wilz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit den Belastungen pflegender Angehöriger und der Entwicklung spezifischer Unterstützungsangebote. Die klinischen Psychologen haben bereits gezeigt, dass sich durch die angebotene psychotherapeutische Betreuung im Sinne einer kognitiven Verhaltenstherapie positive Effekte auf die Gesundheit und die Lebensqualität der pflegenden Angehörigen erwirken lassen.

So belegen die Untersuchungen, dass die qualifizierten therapeutischen Basiskompetenzen des Therapeuten - wie eine gute Beziehungsgestaltung zwischen Therapeut und pflegendem Angehörigen - zur Entlastung der Betroffenen und damit zur Minderung des Depressionsrisikos beitragen können. „Das therapeutische Gespräch wird oftmals als entlastend und befreiend empfunden“, heißt es in einer Erklärung der Arbeitsgruppe.

Darüber hinaus führe eine kognitive Umstrukturierung – die Veränderung der gedanklichen Lebenskonzepte – wesentlich zu einer Verbesserung des Belastungserlebens pflegender Angehöriger. Denn zunächst bewerteten die Projektteilnehmer bestimmte Aktionen des Demenzkranken als absichtlich negativ. Sie hatten zum Beispiel das Gefühl, dass die zu pflegende Person mit Absicht Dinge verlegt. Gelang es den Therapeuten jedoch, in diesem Punkt ein Umdenken des Angehörigen zu bewirken und das Verständnis für die Krankheit zu erweitern, wurde die Pflege als deutlich weniger belastend empfunden.

Das Umdenken muss sich bei den pflegenden Angehörigen dabei mit Blick auf das persönliche Wohlergehen einstellen. „Mehr Zeit für mich“ war eines der häufig genannten Ziele, die sich die Angehörigen von der Teilnahme an der Studie versprachen. Doch dazu müssen sie die Einsicht „ich darf es mir gut gehen lassen“ erst einmal zulassen. Konnten die Therapietelefonate dies erreichen, waren die Pflegenden am Ende nicht nur generell zufriedener, sondern es verbesserte sich auch den Umgang mit dem an Demenz erkrankten Familienangehörigen.

Für das neue Teilprojekt „Tele.TAnDem.Online“ sucht das Team um Professor Wilz nun erneut Teilnehmer. Bei diesem Projekt soll eine kostenfreie professionelle Unterstützung für pflegende Angehörige von Demenzerkrankten per Internet angeboten werden. Über einen Zeitraum von zwei Monaten sollen dabei regelmäßige schriftliche Kontakte mit einer erfahrenen Psychologin über ein speziell gesichertes Internetportal erfolgen.

Die Unterstützung kann von den Angehörigen im gesamten deutschsprachigen Raum von zu Hause aus in Anspruch genommen werden. Bei der Untersuchung werden zwei Gruppen miteinander verglichen: Die Teilnehmer der ersten Gruppe werden von einer erfahrenen Psychologin zwei Monate lang unterstützt. Die Teilnehmer der zweiten Gruppe erhalten nach einer Wartezeit von fünf Monaten ebenfalls die psychologische Unterstützung per Internet. Die Auswahl der Gruppen erfolgt randomisiert.

 

Quelle: Thieme Redaktion

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