• Depression

    Drei von vier Patienten mit Depression erhalten keine adäquate Therapie.

     

Depression – große regionale Unterschiede der Versorgung

Derzeit leiden rund neun Millionen Deutsche an einer behandlungsbedürftigen Depression, mindestens 15 Prozent von ihnen sind schwer krank. Doch mehr als die Hälfte dieser Patienten wird unzureichend therapiert, 18 Prozent der schwer Depressiven erhalten gar keine Therapie, so Professor Dr. Martin Härter, Autor der Studie und Direktor des Instituts und der Poliklinik für Medizinische Psychologie an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf: „Die Ergebnisse sind alarmierend. Werden Depressionen nicht angemessen behandelt, können sie chronisch werden. Noch gravierender ist die Gefahr von Suizid bei schweren Depressionen“, so Härter. Denn durchschnittlich nimmt sich nach seinen Angaben jeder siebte schwer Depressive das Leben.

 

Die Versorgung ist der Erhebung zufolge regional enorm unterschiedlich: So werden nur 13 Prozent der Menschen in Zwickau/Sachsen angemessen versorgt. Mit 40 Prozent kommt Münster/NRW auf eine dreimal höhere Rate. Im Bundesländervergleich erreichen Nordrhein-Westfalen mit 30 Prozent und Hessen mit 29 Prozent die besten Versorgungsquoten. Schlusslichter sind Sachsen-Anhalt mit 22 Prozent, Thüringen mit 20 Prozent und das Saarland mit ebenfalls 20 Prozent. Die Angaben basiert auf der Analyse der anonymisierten Daten von rund sechs Millionen Versicherten der Betriebs- und Innungskrankenkassen, die als repräsentativ für die deutsche Bevölkerung gelten.

 

Die Gründe für die regionalen Unterschiede in der Versorgung sind vielschichtig. Eine der Hauptursachen dürfte dabei das regional unterschiedliche Angebot an Psychotherapeuten sowie psychiatrischen und psychosomatischen Fachärzten sein. Denn während beispielsweise in Heidelberg/Baden-Württemberg 165 Psychotherapeuten oder Fachärzte auf 100.000 Einwohner kommen, sind es im Landkreis Mansfeld-Südharz/Sachsen-Anhalt nur 9/100.000. Auch Berlin, Bremen und Hamburg haben eine bis zu viermal höhere Therapeutendichte als die ostdeutschen Bundesländer.

 

Wartezeiten von durchschnittlich 17 Wochen auf einen Therapieplatz unterstreichen die Versorgungsprobleme. Die komplette Studie, Hintergrundinformationen und Entscheidungshilfen für Betroffene und Angehörige finden sich auf www.faktencheck-depression.de.

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