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    Eine diagnostizierte Depression bei der Mutter erhöht das Risiko für eine Autismus-Spektrum-Störung beim Kind. (Bild: PhotoDisc)

     

Depression – Wie sicher sind SSRI in der Schwangerschaft?

Die Wissenschaftler führten eine Kohortenstudie in Dänemark durch, die alle zwischen 1996 und 2005 geborenen 626 875 Einlinge einschloss. Die Entwicklung der Kinder ließ sich bis in das Jahr 2009 nachverfolgen; so konnten insgesamt über 5 Mio. Personenjahre ausgewertet werden. Dank der dänischen populationsbasierten Register ließen sich dabei die Daten der maternalen SSRI-Verordnungen vor und während der Schwangerschaft mit der Diagnose von Autismus-Spektrum-Störungen und anderen Einflussfaktoren wie mütterlicher psychiatrischer Erkrankung oder Anwendung anderer Medikamente in der Schwangerschaft auswerten. 6068 Mütter hatten in der Schwangerschaft SSRI eingenommen (0,97 %).

Bereits die Diagnose erhöht das Autismus-Risiko

Im Beobachtungszeitraum traten 3892 Fälle einer Autismus-Spektrum-Störung auf, was einer Inzidenzrate von 77 pro 100 000 Personenjahren entspricht. 52 Fälle bei 42 400 erfassten Personenjahren wurden nach einer SSRI-Exposition in der Schwangerschaft diagnostiziert, sodass die Inzidenzrate in dieser Gruppe bei 122,6 pro 100 000 Personenjahre lag. Der Unterschied im Autismus-Risiko ohne und mit Exposition, sowohl vor als auch während der Schwangerschaft, war aber nach Berücksichtigung anderer Einflussfaktoren nicht deutlich (volladjustiertes Verhältnis der Rate 1,20; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,90–1,61). Bei Frauen, die SSRI vor der Schwangerschaft, aber nicht während dieser einnahmen, betrug die entsprechende Rate 1,46 (95 %-KI 1,17–1,81).

Dies weist auf ein Problem bei der Bewertung der Ergebnisse hin: Schon die Diagnose einer Depression bei der Mutter ohne Medikation in der Schwangerschaft bedeutet ein erhöhtes Risiko für das Kind, eine Autismus-Spektrum-Störung zu entwickeln. Entsprechend war ohne Adjustierung das Risiko der Kinder für eine Autismus-Spektrum-Störung sehr wohl nach SSRI-Einnahme der Mutter in der Schwangerschaft erhöht, nicht aber bei Adjustierung um psychiatrische Diagnosen der Mutter. Aufgrund der statistischen Aussagekraft schließen die Autoren aus, dass die SSRI-Einnahme während der Schwangerschaft das Risiko für das Kind, eine Autismus-Spektrum-Störung zu entwickeln, um mehr als 61 % erhöht. Eine geringere Risikoerhöhung bleibt aber möglich.

Fazit
Anhand der großen populationsbasierten Kohortenstudie in Dänemark ließ sich keine deutliche Assoziation zwischen der mütterlichen Einnahme von SSRI während der Schwangerschaft und dem Auftreten von Autismus-Spektrum-Störungen der embryonal / fötal exponierten Kinder belegen.

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 06/2014

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