• Die Last der frühen Geburt

    Mit sinkendem Gestationsalter bei der Geburt, scheint das Risiko für psychische Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter zu steigen (Bild: PhotoDisc).

     

Die Last der frühen Geburt

Dass Frühgeburtlichkeit, intrauterine Wachstumsverzögerung und Hypoxie während der Geburt das spätere Schizophrenierisiko erhöhen können ist bekannt. C. Nosarti et al. wollten wissen, ob solche Risiken tatsächlich spezifisch sind oder perinatale Probleme allgemein das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen.

Die Autoren nutzten im Rahmen ihrer historischen, populationsbasierten Kohortenstudie die Daten des schwedischen Geburtenregisters von 1973-1985 und verglichen die Daten aller 1301522 im Dezember 2002 in Schweden lebenden über 16-jährigen dieser Kohorte mit Angaben zu stationären psychiatrischen Behandlungen von Erwachsenen (16 Jahre) aus dem National Board of Health and Welfare. Ziel war es, den möglichen Einfluss verschiedener perinataler Faktoren (Gestationsalter bei der Geburt, intrauterine Wachstumsverzögerung und Apgar-Wert als Maß des klinischen Zustands des Neugeborenen ) auf unterschiedliche psychiatrische Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter zu untersuchen. Erfasst wurden psychiatrische Behandlungen wegen nicht affektiver Psychose, bipolarer Erkrankung, Depression, Essstörung so­wie Drogen- und Alkoholabhängigkeit nach den Schlüsseln der ICD 8-10.

 

Frühgeburt erhöht psychische Morbiditätsrisiken

Eine Frühgeburt war deutlich mit einem erhöhten Risiko für eine stationäre Behandlung wegen einer psychischen Erkrankung im (jungen) Erwachsenenalter assoziiert - nicht nur wegen einer nicht affektiven Psychose. Im Vergleich zu Kindern, die mit einem normalen Gestationsalter (37-41 Wochen) zur Welt gekommen waren, hatten diejenigen, die in der 32.-36. Schwangerschaftswoche geboren worden waren, später ein 1,6-fach erhöhtes Risiko für nicht affektive Psychosen (95% Konfidenzintervall Kl: 1,1-2.3), ein 1.3-fach erhöhtes Risiko für eine depressive (95% Kl: 1,1-1,7) und ein 2,7-fach erhöhtes Risiko für eine bipolare Erkrankung (95% Kl: 1,6-4,5). Bei einer Geburt vor der 32. Gestationswoche lag das Risiko für spätere nicht affektive Psychosen 2,5- mal höher als bei normaler Gestationsdauer (95% Kl:1,0-6,0), für Depressionen 2,9-mal höher (95% Kl, 1,8-4,6) und für eine bipolare Störung sogar 7,4-mal höher (95% Kl:2,7-20,6). Die Assoziationen mit dem Gestationsalter blieben auch bestehen, wenn als weitere Variable die übrigen perinatalen Faktoren (intrauterine Wachstumsverzögerung und Apgar-Wert) berücksichtigt wurden. Für sich genommen stellten diese aber keine unabhängigen Risikofaktoren für die verschiedenen psychischen Erkrankungen dar.

  

Fazit

Mit sinkendem Gestationsalter bei der Geburt scheint die Vulnerabilität für stationär zu behandelnde psychische Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter zu steigen, so die Autoren. Für Wachstumsretardierung und einen niedrigen Apgar-Wert fand sich eine solche Assoziation nicht.

 

F. Klein, München

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 12/12, 80. Jahrgang