• Psyche Arbeitsplatz

     

Was ist „evidence-based“?

Ziel ist es, einen Überblick über mögliche Instrumente zur Bemessung der Funktionsfähigkeit bei der gutachterlichen Einschätzung der beruflichen Leistungsfähigkeit zu geben.

Menschen, die krankheitsbedingt in ihrer Fähigkeit zu arbeiten eingeschränkt sind, werden in vielen Ländern im Rahmen des Sozialsystems finanziell unterstützt, so auch im deutschsprachigen Raum. Zunehmend hat sich dabei das Verhältnis der die Leistungszusprache begründenden Gesundheitsbeeinträchtigung weg von rein somatischen hin zu vermehrt psychischen Störungsbildern verschoben. Der Anteil an ausbezahlten Renten, die aufgrund des Vorliegens letztgenannter Beeinträchtigungen gewährt worden sind, ist in den letzten 30 Jahren angestiegen und hat sich an manchen Orten nahezu verdoppelt.

In vielen Ländern basiert die Bemessung des Leistungsanspruchs dabei auf einer ärztlichen Beurteilung der tatsächlich vorhandenen Funktionseinschränkungen, die für ein regelmäßiges Arbeiten vonnöten sind. Sowohl für die einzelnen Versicherten als auch für die Gesamtheit der Beitragszahler ist es von großer Bedeutung, dass die ärztlichen Beurteilungen, auf deren Basis über eine Berentung entschieden wird, von möglichst hoher Qualität, möglichst objektiv und reliabel sind.

Die Qualität dieser Expertisen ist jedoch mehrfach in der Literatur von medizinischer und juristischer Seite kritisiert und auf die Heterogenität der daraus folgenden Beurteilungen hingewiesen worden (Urteil 9C_243/2010 des Schweizerischen Bundesgerichtes vom 28.06.2011). Sowohl in der englisch- als auch in der deutschsprachigen Literatur wurden verschiedene mögliche Gründe für die unterschiedlichen Beurteilungen diskutiert.

Aus Sicht des Rechtsanwenders erfolgt die Bemessung des Leistungsanspruchs – z. B. einer Rente – dabei nicht aufgrund einer ärztlich gestellten Diagnose, sondern basiert auf der Beurteilung des Ausmasses krankheitsbedingt eingeschränkter Fähigkeiten im beruflichen Umfeld.

Da der Zusammenhang zwischen der bestehenden Symptomatik und der Fähigkeit zu arbeiten häufig unklar ist, spiegelt die reine Beschreibung von Symptomen oftmals das berufliche bzw. soziale „Outcome“ einer Erkrankung nur ungenügend wider. Die Fähigkeit zu arbeiten wird darum zunehmend als multidimensionales Konzept angesehen, welches über eine alleinige Betrachtung von Symptomen und Funktionseinschränkungen hinausgeht und neben Aktivitäten und Partizipationen auch die konkreten Kontextfaktoren, z. B. die Umgebung, Umgang mit der Erkrankung etc. beinhaltet.

Die Erfassung der Funktionseinschränkungen im Kontext der beruflichen Anforderungen im gutachterlichen Setting erfolgt häufig unsystematisch im Sinne einer narrativen Darstellung, was die Vergleichbarkeit erschwert und die Zuverlässigkeit u. a. bei der Beurteilung des Schweregrads, aber auch des konkreten Fähigkeitsprofils (Defizite und Ressourcen) verringert. Eine Ergänzung durch validierte Instrumente zur Messung der Funktionsfähigkeit bzw. zur Ermittlung der konkreten Fähigkeitsprofile könnte im gutachterlichen Zusammenhang deshalb eine Verbesserung darstellen.

Einige seit Längerem existierende Instrumente zur Erfassung von Fähigkeitsstörungen sind im oben genannten Kontext jedoch wenig hilfreich, da sich diese vor allem auf die Erfassung von basalen Alltagsfähigkeiten, wie beispielsweise Körperpflege, Mobilität oder Harnkontrolle beschränken bzw. nur eine globale Einschätzung liefern.

Trotz ihrer zunehmenden Bedeutung ist nur wenig untersucht, welche Instrumente sich für den Begutachtungsprozesses eignen. Die vorliegende Arbeit soll deshalb einen systematischen Überblick über im Einsatz befindliche Instrumente u. a. aus der Versicherungsmedizin, Arbeitsmedizin, Rehabilitation, Ergo- und Arbeitstherapie zur Quantifizierung von Fähigkeitsstörungen geben, deren „Evidenz“ für den Einsatz im Gutachtensbereich untersuchen und etwaige Limitationen (Selbst- bzw. Fremdbeurteilung) diskutieren. In erster Linie wurden hierfür speziell für Patienten mit psychischen Störungen konzipierte Instrumente gesucht und diese auf ihre Eignung für gutachterliche Zwecke hin geprüft.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Funktionsbeschreibung in der Begutachtung der Arbeitsfähigkeit – Was ist „evidence-based“?

Aus der Zeitschrift Psychiatrischen Praxis 2/2016

Call to Action Icon
Psychiatrische Praxis jetzt kennenlernen und kostenlos testen!

Thieme Newsletter

Quelle

Psychiatrische Praxis
Psychiatrische Praxis

EUR [D] 140,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

PiD - Arbeitswelt & psychische Störungen
Christoph Flückiger, Volker Köllner, Bettina WilmsPiD - Arbeitswelt & psychische Störungen

EUR [D] 39,00Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Fallberichte aus der Psychotherapie
Dunja HergenrötherFallberichte aus der Psychotherapie

47 Beispiele für eine erfolgreiche Falldokumentation im Antragsverfahren

EUR [D] 19,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Notfallpsychiatrie und psychotherapeutische Krisenintervention
Wolfgang Jordan, Arndt Heinemann, Alexandra MarxNotfallpsychiatrie und psychotherapeutische Krisenintervention

EUR [D] 19,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.