• Demenz, Leichte Kognitive Störung, Fahrtauglichkeit, Fahreignung

     

Fahrtauglichkeit bei Leichter Kognitiver Störung und Demenz

Exekutive Leistungen, visuell-räumliches Denken und Verhaltenskontrolle sind für das sichere Autofahren wesentliche geistige Leistungen. Bei Demenz und Leichter Kognitiver Störung treten Defizite dieser Leistungen auf, die sich zu altersbedingten Defiziten addieren. Sie können durch eine angepasste Fahrweise nicht immer ausreichend kompensiert werden und führen ggf. schon im frühen Stadium zur Aufhebung der Fahrtauglichkeit. Neurologen und Psychiater kommt eine wichtige Rolle bei der Untersuchung, Aufklärung und ggf. Aussprache eines ärztlichen Fahrverbotes zu.

Fehler und Unterlassungen können hier unter Umständen juristische Konsequenzen nach sich ziehen. Der vorliegende Beitrag stellt die relevanten Erkrankungen und die mit ihnen assoziierten kognitiven Störungen dar, gibt Empfehlungen für die neuropsychologische Untersuchung und die Kommunikation mit Patienten und Angehörigen.

Autofahren stellt je nach Situation sehr unterschiedliche kognitive Anforderungen: niedrig in vertrautem Gelände, bei Helligkeit, bei geringem Verkehr und mit einem Beifahrer, der die Richtung weist, hoch in unbekanntem Terrain, bei Dunkelheit, Regen und dichtem Verkehr, in Umleitungen und plötzlichen Gefahrensituationen. Eine turnusmäßige Überprüfung der Fahrtauglichkeit (auch: Fahreignung) älterer Fahrer erfolgt in Deutschland nicht, anders als in vielen anderen europäischen Ländern, zum Beispiel Schweiz, Italien, Niederlande, Großbritannien und Dänemark. Vom aktuellen Verkehrsminister und dem ADAC wird sie abgelehnt. Eine qualitativ hochwertige Überprüfung, etwa ab 75 Jahren, wäre angesichts der wachsenden Millionenzahl älterer Autofahrer mit hohem Aufwand verbunden.

Die Informationsverarbeitungskapazität des Gehirns („flüssige Intelligenz“) nimmt im Alter und bei Erkrankungen ab. Dies wird umso relevanter, je höher die geistigen Anforderungen in Bezug auf Tempo, Menge und Komplexität sind. Autofahrer ab ca. 75 Jahren benötigen schon unter Routinebedingungen mehr bewusste Aufmerksamkeit und Konzentration und ermüden schneller. Sie passen ihren Fahrstil in der Regel an ihre reduzierte kognitive Leistungsfähigkeit an. Lebenslange Fahrpraxis und ein defensiver Fahrstil helfen, altersbedingte Defizite zu kompensieren. Dennoch verursachen sie pro gefahrene Kilometer mehr Unfälle als jüngere Fahrer, und sind bei drei Viertel der von ihnen erlittenen Unfälle selbst die Verursacher. Fahrfehler treten vor allem in schwierigeren Verkehrssituationen auf. Ein mit dem Alter deutlich zunehmender Fahrfehler ist die Missachtung der Vorfahrt.

Bei älteren Fahrern mit ZNS-Erkrankungen addieren sich alters- und krankheitsbedingte kognitive Einschränkungen. Für Neurologen, Psychiater und Hausärzte ist es eine wichtige Aufgabe und Verantwortung, die Fahrtauglichkeit betagter oder kognitiv beeinträchtigter Patienten zu hinterfragen und zu prüfen. Ärzte müssen über eine eingetretene Fahruntauglichkeit aufklären und ein ärztliches Fahrverbot aussprechen. Sie müssen das Thema mit Betroffenen und Angehörigen aktiv ansprechen und bei Nichtbefolgung eines Fahrverbotes gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergreifen.

Ein präventiver Entzug der Fahrerlaubnis durch Polizei und Führerscheinstelle erfolgt in der Regel nicht, auch wenn sie von Angehörigen über eine relevante Erkrankung eines Führerscheininhabers informiert werden. Polizei und Behörden greifen ein, wenn ein Autofahrer auffällig wird, zum Beispiel offenkundig unsicher fährt, wiederholte Verkehrsverstöße begeht, in nicht nachvollziehbarer Weise verunfallt, bei Kontrollen verwirrt wirkt oder sein Auto nicht findet und als gestohlen meldet. In der Regel wird dann die zuständige Führerscheinstelle benachrichtigt, die ein Verfahren zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit in Gang setzt (meist verkehrsmedizinisches Gutachten, ausnahmsweise Medizinisch-Psychologische Untersuchung).

Im vorliegenden Beitrag wird auf die Fahrtauglichkeit für Fahrzeuge der Gruppe 1 gemäß den Begutachtungsleitlinien für Kraftfahreignung Bezug genommen, d. h. für PKW, Motorräder, Traktoren und Lieferfahrzeuge bis 3,5 Tonnen. Für die Gruppe 2 gelten besondere und wesentlich strengere Regeln, einschließlich der Pflicht zu einer turnusmäßigen medizinischen Untersuchung (u. a. Lastwagen ab 3,5 Tonnen, Personenbeförderung, Busse).

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Fahrtauglichkeit bei Leichter Kognitiver Störung und Demenz

Aus der Zeitschrift: Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 01/2018

Thieme Newsletter

Quelle

Buchtipps

Psychotherapie im Dialog - Alter
Steffen Fliegel, Kirsten von SydowPsychotherapie im Dialog - Alter

EUR [D] 39,00Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Kognitive Neurologie
Wolfgang Hartje, Hans-Otto Karnath, Wolfram Ziegler, Doris Brötz, Ria De BleserKognitive Neurologie

EUR [D] 49,95Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Klinische Neuropsychologie - Kognitive Neurologie
Georg Goldenberg, Hans-Otto Karnath, Wolfram Ziegler, Hermann Ackermann, Ingrid AichertKlinische Neuropsychologie - Kognitive Neurologie

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.