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    Forscher haben die Auswirkungen von Stress auf uns und unsere Umwelt untersucht.

     

Forschung – Empathischer Stress: Anspannung färbt ab

Stress ist ein wichtiger Krankheitsauslöser. Doch selbst wer ein entspanntes Leben führt, kommt ständig mit gestressten Personen in Berührung. Deren Stress kann auf die Umwelt abfärben, und dies nicht nur gefühlt, sondern auch messbar als erhöhte Konzentration des Stresshormons Kortisol. Dieses Ergebnis haben die Forscher um V. Engert im April in der Fachzeitschrift Psychoneuroendocrinology veröffentlicht.

Bei einem Stresstest mussten Probanden u. a. mit schwierigen Kopfrechenaufgaben kämpfen, während vermeintliche Verhaltensanalysten ihre Leistung beurteilten. 95 % der direkt gestressten Probanden zeigten eine physiologisch bedeutsame Erhöhung des Kortisol-Spiegels. Von den Beobachtern, die selbst keinerlei Stress ausgesetzt waren, waren es 26 %. Der Effekt war besonders stark, wenn Beobachter und gestresste Person eine partnerschaftliche Beziehung verband (40 %), aber auch bei völlig fremden Menschen sprang der Stress auf 10 % der Beobachter über. Konnten die Beobachter das Geschehen direkt verfolgen, reagierten 30 % gestresst. Aber selbst wenn der Stresstest nur auf dem Bildschirm flimmerte, reichte dies aus, um bei 24 % die Kortisolspiegel zu erhöhen.

Ein Problem ist Stress vor allem dann, wenn er chronisch wird. „Eine hormonelle Stressreaktion hat evolutionär natürlich auch einen Sinn“, so Engert. „Aber konstant erhöhte Kortisolwerte sind nicht gut. Auf Dauer leiden darunter z. B. das Immunsystem und die Nervenzellen.

Nach einer Mitteilung der Max-Planck-Gesellschaft, München

Aus der Zeitschrift: Psychotherapie • Psychosomatik • Medizinische Psychologie 06/ 2014

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