•  

Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit

Die Diagnostik und Behandlung von Menschen, die sich nicht ihrem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht zugehörig fühlen und die bisher häufig mit dem Begriff „Transsexualität“ beschrieben wurden, hat sich in den letzten 2 Jahrzehnten grundlegend geändert.

In der Selbstbeschreibung werden Begriffe wie Transgender, Transidentität, Transsexualität, Transgeschlechtlichkeit, Trans* oder Trans genutzt. In Anlehnung an die kürzlich publizierte S3-Leitlinie für Trans-Gesundheit wird im weiteren Verlauf der Begriff trans Personen als Oberbegriff für Personen verwendet, die sich nicht (gänzlich) ihrem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht zugehörig fühlen. Der vorliegende Beitrag soll einen Überblick über die Änderungen in folgenden Bereichen geben: Versorgungssituation, Diagnostik, Behandlung und Begutachtung und rechtliche Rahmenbedingungen. Im Kasten findet sich ein Überblick über wichtige Begriffe, die im Beitrag benutzt werden.

Definition wichtiger Begriffe und Konzepte

Zuweisungsgeschlecht: Das bei Geburt zugewiesene Geschlecht. Orientiert sich an den primären Geschlechtsmerkmalen bei einem Individuum.

Geschlechtsrolle: Verhaltensweisen, die für ein bestimmtes Geschlecht als typisch angesehen werden. Die Geschlechtsrolle hängt in hohem Maße vom kulturellen Hintergrund des Individuums ab.

Geschlechtsidentität: Das individuell erlebte Geschlecht bzw. die subjektive Identifikation einer Person als männlich, weiblich oder divers (u. a. genderqueer, agender, non-binär).

Geschlechtsinkongruenz: Fehlende Übereinstimmung zwischen dem Zuweisungsgeschlecht und der Geschlechtsidentität.

Geschlechtsdysphorie: Geschlechtsinkongruenz, die zu Leiden führt.

Transition: Transition beschreibt den Prozess der Änderung der Geschlechtsrolle, also Mann zu Frau, Frau zu Mann bzw. Mann oder Frau zu einer alternativen Kategorie. Ändert sich ausschließlich die Geschlechtsrolle spricht man von sozialer Transition. Werden auch Behandlungen zur Veränderung der körperlichen Geschlechtsmerkmale genutzt, spricht man von medizinischer Transition.

Fallbeispiel

Etwas ist anders

Der 15-jährige Herr M. ist das mittlere von 3 Kindern seiner Eltern. Er besucht die 10. Klasse eines Gymnasiums, ist ein guter Schüler und hat zwar keinen großen, aber einen engen Freundeskreis. Seit einiger Zeit hat Herr M. jedoch das Gefühl, nicht mehr so richtig dazuzugehören. Als Kind hat er am liebsten mit seinen Freunden Fußball gespielt, doch auf einmal interessiert er sich viel mehr für Mode und Make-up. Nach einigen Monaten vertraut Herr M. seinem besten Freund seine neu entstandenen Interessen an, doch dieser reagiert mit großem Unverständnis und macht sich über Herr M. lustig. Herr M. ist durch diese Reaktion sehr gekränkt. Im Alter von 16 Jahren befriedigt sich Herr M. erstmals selbst, merkt aber schnell, dass er sich vor seinem erigierten Penis sowie der Samenflüssigkeit nach der Ejakulation eher ekelt.

Mit 18 Jahren hat sich Herr M. mittlerweile einen neuen Freundeskreis gesucht, bestehend aus vier Klassenkameradinnen. Teilweise „erwischt“ sich Herr M. dabei, wie er seine Freundinnen aufgrund ihres Brustwachstums beneidet und merkt, dass er mittlerweile eine tiefgehende Abneigung gegenüber seinen männlichen Genitalien verspürt. Auch sein nun verstärkter Haar- und Bartwuchs stört Herr M. und er rasiert sich täglich nicht nur seinen Bart, sondern auch die Arm- und Beinbehaarung.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit
aus der Zeitschrift PSYCH up2date 04/2020

Thieme Newsletter

  • Jetzt zum Newsletter anmelden und Paper sichern!

    Jetzt kostenlos anmelden

    Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an und Sie erhalten als Dankeschön ein Paper zum Download.

Quelle

PSYCH up2date
PSYCH up2date

EUR [D] 113,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Paartherapie bei sexuellen Störungen
Margret HauchPaartherapie bei sexuellen Störungen

Das Hamburger Modell - Konzept und Technik

EUR [D] 61,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
Helmut Remschmidt, Katja BeckerKinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

EUR [D] 107,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Allgemeine Psychopathologie
Christian ScharfetterAllgemeine Psychopathologie

Eine Einführung

EUR [D] 59,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Cookie-Einstellungen