• Gewichtsreduktion durch Verhaltenstherapie bei psychisch Kranken?

    Bedingt durch appetitsteigernde Nebenwirkungen der meisten Psychopharmaka ist die Inzidenz von Übergewicht bei psychisch Kranken besonders hoch.

     

Gewichtsreduktion durch Verhaltenstherapie bei psychisch Kranken?

Bedingt durch appetitsteigernde Nebenwirkungen der meisten Psychopharmaka ist die Inzidenz von Übergewicht bei psychisch Kranken besonders hoch. Die Einnahme psychotroper Medikation gehört jedoch zu den Ausschlusskriterien üblicher Studien zur Gewichtsreduktion. Daumit et al. führten daher eine verhaltenstherapeutische Interventionsstudie mit psychiatrischen Patienten durch. N Engl J Med 2013; 368: 1594-1602

291 Patienten wurden randomisiert einer verhaltenstherapeutischen Interventionsgruppe oder einer Kontrollgruppe zugeteilt. 58,1 % der Patienten hatten Schizophrenie oder eine schizoaffektive Störung, 22,0 % eine bipolare Störung und 12 % eine schwere Depression. 80 % waren arbeitsunfähig. Die verhaltenstherapeutischen Interventionen fanden in Gruppen und auch im Einzelgespräch statt. Sie basierten vor allem auf edukativen Maßnahmen zur Vermeidung von hochkalorischen Getränken und Speisen, zum regelmäßigen Verzehr von Obst und Gemüse, zur Aufnahme kleinerer Portionen und zur regelmäßigen körperlichen Aktivität. Kontrolluntersuchungen fanden nach 6, 12 und 18 Monaten statt.

Die Gewichtsabnahme in der Kontrollgruppe vollzog sich langsam, aber stetig, und betrug 3,4 kg nach 18 Monaten. Die Patienten der Kontrollgruppe nahmen im gleichen Zeitraum 0,2 kg ab (p=0,002). 37,8 % der Patienten der Interventionsgruppe nahmen 5 % oder mehr ihres Ausgangsgewichts ab, während dies nur 22,7 % der Kontrollgruppe gelang (p=0,009).

 

Fazit

Eine verhaltenstherapeutische Intervention konnte in dieser Studie eine signifikante Gewichtsreduktion bei psychisch Kranken über 18 Monate erzielen. Diese Ergebnisse sprächen dafür, psychisch Kranken, die eine Hochrisikopopulation hinsichtlich adipositasassoziierter Erkrankungen darstellen, derartige Hilfen regelmäßig anzubieten, so die Autoren.

 

Dr. med. P. Pommer, Oberammergau

Aus der Zeitschrift DMW Dtsch Med Wochenschr 2013; 138, Nr.27