• Depression - Gutes Familienleben schützt vor Angst und Depression

    13 % der Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren berichteten in der "Young-HUNT-Studie" über Symptome von Angst und Depression.

     

Gutes Familienleben schützt vor Angst und Depression

Ängste und Depressionen treten häufig gemeinsam auf. Schon Jugendliche sind betroffen - insbesondere Mädchen. Welche Faktoren Jugendliche vor diesen Beschwerden schützen, haben M. Skrove et al. untersucht.

Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol 2013; 48: 407-416

 

Etwa 6 % der Jugendlichen leiden an einer Angststörung, knapp 11 % an einer Depression. Studien, in denen subjektive Symptomskalen verwendet werden, weisen sogar auf höhere Prävalenzen hin. Ein ungesunder Lebensstil wie Rauchen, Alkoholgenuss oder Bewegungsmangel scheinen die Vulnerabilität für Ängste und Depressionen zu erhöhen. Hingegen können sichere Familiennetze das Risiko für Ängste und Depressionen anscheinend senken. Individuelle Ressourcen und Unterstützung durch die Familie gelten als Schutzfaktoren und werden als "Resilienz" bezeichnet. Jugendliche mit einem guten Selbstwertgefühl leiden seltener an depressiven Symptomen oder psychischem Stress. Auch wenn Jugendliche mit beiden Eltern zusammenleben, verstärkt dies anscheinend die Resilienz.

Skrove und ihre Kollegen befragten 10 485 Jugendliche in den Jahren 2006-2008. Dieser Studienteil gehört zu einer großen Norwegischen Studie namens "Nord-Trøndelag Health Study" (HUNT 3). In dieser "Young-HUNT-3-Studie" konnten schließlich die Daten von 7639 Jugendlichen (51 % Mädchen und 49 % Jungen) ausgewertet werden. Zur Evaluation von Ängsten und Depressionen verwendeten die Wissenschaftler den Fragebogen "Hopkins Symptom Checklist-5" (SCL-5).

Hier wird nach den Symptomen von Angst und Hoffnungslosigkeit in den letzten 14 Tagen gefragt. Ein hoher SLC-5-Wert spricht für eine starke Belastung durch Angst und depressive Symptome. Ein Wert von > 2 wurde als "problematische Symptombelastung" definiert. Außerdem stellten die Wissenschaftler Fragen nach Raucherstatus, Alkoholkonsum, Konsum von Hasch, Marihuana oder anderen Drogen sowie zu den Bewegungsgewohnheiten.

Die Resilienz wurde mithilfe der Resilienz-Skala für Jugendliche (READ) ermittelt. READ fragt nach den sozialen und persönlichen Kompetenzen, dem Familienzusammenhalt, der Strukturiertheit im Leben und den sozialen Ressourcen. Hohe Werte im READ entsprechen einer guten Resilienz.

Die Jugendlichen waren im Durchschnitt 15,8 Jahre alt. 988 von 7639 Jugendlichen (13 %) gaben an, an Symptomen von Angst und Depression zu leiden (19 % der Mädchen und 6 % der Jungen, p < 0,001). die Prävalenz stieg mit dem Alter an - der Unterschied in der Prävalenz zwischen den Geschlechtern blieb weiterhin bestehen. Der SCL-5-Score lag bei den Mädchen bei 1,65 Punkten und bei den Jungen bei 1,34 Punkten. Mädchen waren also stärker von Angst und Depression betroffen als Jungen.

 

Eine gute Beziehung zur Mutter schützt

Ein entscheidender Schutzfaktor war die gute Beziehung zur Mutter. "Nur" 17 % der Mädchen und 6 % der Jungen mit einer guten Beziehung zur Mutter berichteten von Angst und Depression. War die Beziehung zur Mutter jedoch schlecht, waren 51 % der Mädchen und 23 % der Jungen betroffen. Alkoholkonsum vergrößerte das Risiko, an Ängsten und Depressionen zu leiden. Mädchen, die bereits 11-mal oder häufiger betrunken waren, hatten eine Odds Ratio (OR) von 2,6 (95 % Konfidenzintervall [KI] 1,9-3,6) für die Entwicklung von Ängsten und Depressionen. Bei Jungen lag die OR bei 3,4 (95 % KI 2,1-5,7).

Auch der Drogenkonsum erhöhte das Risiko für die Symptome von Angst und Depression (OR = 3,2 für Mädchen und 4 für Jungen). Dabei ist nicht klar, ob ängstliche und depressive Jugendliche eher zum Substanzmissbrauch neigen oder ob der Substanzmissbrauch selbst aufgrund der neurophysiologischen Vorgänge die Ängste und Depressionen auslöst. Außerdem erhöhte Bewegungsarmut die Wahrscheinlichkeit für Angst und Depression. Im Vergleich zu Mädchen, die sich viel bewegten, hatten Mädchen mit wenig Bewegung eine OR = 1,7 und Jungen eine Odds Ratio von 1,8.

Auffallend war, dass der Faktor "soziale Kompetenz" die Assoziationen zwischen Substanzmissbrauch und Angst- und Depressionssymptomen verstärkten. Die Autoren erklären dies damit, dass sozial kompetente Jugendliche möglicherweise einen größeren Freundeskreis und daher eine größere Wahrscheinlichkeit haben, auch mit Alkohol, Zigaretten und Drogen in Berührung zu kommen. Ein guter Familienzusammenhalt schwächte die Zusammenhänge jedoch ab. Wahrscheinlich, so die Autoren, greifen Jugendliche aus stabilen Familien seltener zu Drogen und Alkohol.

 

Fazit

13 % der Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren berichteten in dieser "Young-HUNT-Studie" über Symptome von Angst und Depression. Der Lebensstil und die Resilienz haben anscheinend einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung dieser Symptome. Diese Faktoren sollten bei der Prävention und Therapie besonders berücksichtigt werden, so die Autoren.

 

Aus der Zeitschrift PPmP Psychotherapie Psychosomatik Medizinische Psychologie 7/2013