• Gehirnströme

     

Hirnströme verraten das Geschlecht

Männer sind schneller und Frauen flexibler: Die Gehirne von Männern und Frauen reagieren dabei unterschiedlich auf eigene Handlungsfehler, wie Neurowissenschaftler in Magdeburg gezeigt haben. Diese Unterschiede sind so ausgeprägt, dass sich allein aus den gemessenen Hirnströmen das Geschlecht vorhersagen lässt.

Bei 895 gesunden jungen Männern und Frauen wurde im Rahmen einer internationalen Studie mittels Hirnströmen gemessen, wie sie auf gerade begangene, eigene Handlungsfehler reagieren.
Die Probanden bekamen eine Aufgabe, die sie trotz ablenkender Reize wiederholt korrekt ausführen mussten. Die dabei entstehenden Fehler sind mit Flüchtigkeitsfehlern beim Bedienen technischer Geräte durch falsche Tastendrücke zu vergleichen.

„Sobald wir einen Fehler machen, reagiert unser Gehirn im Bruchteil einer Sekunde und ermöglicht es uns, unser Verhalten effektiv anzupassen", erläutert dazu Professor Dr. Markus Ullsperger, Inhaber des Lehrstuhls für Neuropsychologie der Universität Magdeburg und Seniorautor der Studie. „Eine mögliche Reaktion besteht darin, nachfolgende Handlungen abzubremsen, um weitere Fehler zu vermeiden. Eine andere Strategie besteht darin, dass wir die Aufmerksamkeit auf die wesentlichen Reize richten und ablenkende Reize ignorieren."

Bei den Probanden zeigte sich, dass Männer die gestellten Aufgaben etwas schneller bearbeiten konnten als Frauen. Gleichzeitig reagierten ihre Gehirne stärker auf Handlungsfehler als die der Frauen: Eine auf der Kopfoberfläche messbare Spannungsänderung, die so genannte Fehlernegativierung, war bei Männern größer. Die Frauen hingegen passten ihr Verhalten nach begangenen Fehlern flexibler an und verlangsamten ihre Reaktionen deutlich stärker als Männer. Allein die Muster der fehlerbezogenen Hirnströme reichen aus, um ohne die jeweilige Person zu sehen ihr Geschlecht vorherzusagen.

„Da die Häufigkeit vieler psychischer Erkrankungen, die zu Fehlhandlungen führen, unterschiedlich auf die Geschlechter verteilt ist, versteht man vielleicht die Geschlechtsunterschiede bei den Patienten auch besser, wenn man die Abweichungen bei Gesunden erklären kann", so Dr. Adrian Fischer vom Lehrstuhl Neuropsychologie der Universität Magdeburg und Erstautor der Studie. „Die Fähigkeit, auf Fehler zu reagieren, zeigt sich verändert unter anderem bei der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung oder der Schizophrenie. Daher erscheint es sinnvoll, verstärkt geschlechterspezifische Studien zu Ursachen, Diagnostik und Therapie dieser Störungen vorzunehmen."

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