• Halluzinationen

     

HPPD und Flashback-Phänomene – Differenzialdiagnose und Erklärungsmodelle

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über den Forschungsstand bezüglich „Halluzinogen-induzierter persistierender Wahrnehmungsstörung, HPPD“ und „Flashback“-Phänomenen zu geben. Die diagnostischen Merkmale und Begriffe von „Flashback“-Phänomenen und „HPPD“ nach Halluzinogeneinnahme blieben bis heute unklar und wurden seit 1994 austauschbar verwendet.

Wie im Folgenden ausgeführt wird, werden wiederkehrende rauschähnliche Zustände, die mit vorausgehenden Intoxikationen mit psychoaktiven Substanzen in Zusammenhang stehen, seit Mitte der 1950er und der 1960er Jahre als „Flashback-Phänomene“ bezeichnet. 1954 und 1955 beschrieben Sandison und Cooper erstmals ein Wiedererleben von LSD-Rauschphänomenen. Eine große Anzahl von Autoren hat sich seither mit Flashback-Phänomenen insbesondere nach LSD-Konsum beschäftigt, da angesichts der massenhaften illegalen Verbreitung von LSD während der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhundert die Erforschung möglicher psychischer und somatischer Komplikationen im Vordergrund stand. Rosenthal beschrieb erstmals eine persistierende Wahrnehmungsstörung, die nach wiederholtem LSD-Konsum circa ein Jahr andauerte. Fisher und Ungerleider sowie Horowitz führten 1968 und 1969 erstmals den Begriff „Flashback“ in die Literatur ein.

Als Synonyme für „Flashback“ finden sich in deutschsprachigen Publikationen die Begriffe „Echorausch“, „Echopsychose“, „Nachrausch“, „Nachhallpsychose“ und als Szenebegriffe „Retrip“, „Freetrip“. Der Begriff „Flashback“ (d. h. „Rückblende“) stammt aus der Filmtechnik und bedeutet das Einfügen eines zurückliegenden Ereignisses in den filmischen Ablauf. Die in der Literatur beschriebenen Flashback-Phänomene zeigen eine auffallende Unspezifität und Heterogenität und lassen nahezu die ganze psychopathologische Skala visueller Wahrnehmungsstörungen erkennen.

Derartige Flashback-Phänomene werden in ICD-10 unter F16.70 (halluzinogen-induziert) kodiert. Sie unterscheiden sich von einer vorübergehenden akuten psychotischen Störung (F23.x) durch die häufig sehr kurze Dauer (Sekunden oder Minuten) und durch die identische Wiederholung früherer Erlebnisse unter der unmittelbaren Substanzwirkung.

Methode

Zur Erfassung der Studien wurde eine systematische Literaturrecherche in den Datenbanken MEDLINE und PubMed (1994 – 2015) mit den Schlüsselwörtern „Hallucinogen persisting perception disorder, HPPD“ durchgeführt. Einschlusskriterium für die Auswahl der letztlich berücksichtigten 15 Kasuistiken war die im DSM-5 unter 292.89 definierte „Hallucinogen Persisting Perception Disorder“. Als Hauptmerkale wurden die diagnostischen Kriterien nach DSM-5 und DSM-IV berücksichtigt. Die Definitionen bzw. Beschreibungen von HPPD- und Flashback-Phänomenen in der Literatur, in ICD-10 und DSM-5 zeigen sehr divergierende Auffassungen. Empirische Untersuchungen und Fallberichte sind teilweise nur ungenügend vergleichbar, da Angaben zur Komorbidität und zum Verlauf häufig fehlen: Die sehr heterogenen Symptome visueller Wahrnehmungsstörungen zeigen große Überschneidungen mit anderen Krankheitsbildern.

Aufgrund der teilweisen Unergiebigkeit der Datenbankrecherche wurde auch auf ältere Literaturhinweise zurückgegriffen, insofern diese in Bezug auf die Suchbegriffe von wissenschaftlicher Bedeutung waren. Basierend auf den Suchbegriffen, konnten insgesamt 75 Literaturstellen berücksichtigt werden.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Halluzinogen-induzierte Persistierende Wahrnehmungsstörung (HPPD) und Flashback-Phänomene – Differenzialdiagnose und Erklärungsmodelle

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie • Psychiatrie 9/2015

Call to Action Icon
Fortschritte der Neurologie • Psychiatrie Jetzt abonnieren!

Thieme Newsletter

Quelle

Buchtipps

Psychotherapie im Dialog - Psychosen
Bettina Wilms, Henning SchauenburgPsychotherapie im Dialog - Psychosen

EUR [D] 39,00Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

Aktuelle psychiatrische Diagnostik
Markus JägerAktuelle psychiatrische Diagnostik

Ein Leitfaden für das tägliche Arbeiten mit ICD und DSM

EUR [D] 24,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

PSYCH up2date
PSYCH up2date

EUR [D] 135,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.