• Hypnotherapie - Schritt für Schritt

     

Hypnotherapie – Schritt für Schritt

Immer noch begegnet man im Zusammenhang mit Hypnose der Vorstellung, Menschen mit hoher Suggestivkraft könnten mittels Induktion empfänglich gemachte Individuen durch suggestives Einreden „programmieren“. Wie der Zulauf bei Hypnoseshows zeigt, ist die Fantasie, willenlos zu sein, attraktiv. Nichtsdestotrotz löst das Wort Hypnose ambivalente Gefühle aus. Überzogene Heilerwartungen stehen auf der einen, Ängste bezüglich eines Kontrollverlusts auf der anderen Seite. Tatsächlich hat Showhypnose nichts mit Hypnotherapie zu tun und seriös arbeitende Therapeuten grenzen sich von solchen Veranstaltungen ab.

Klassische versus moderne Hypnose  Die um die Jahrhundertwende viel praktizierte klassische Hypnose unterscheidet sich von der seit den 1940er-Jahren durch den Psychiater Milton H. Erickson (1901 – 1980) entwickelten Form dadurch, dass bei Erickson der Fokus nicht auf der „Macht“ des Hypnotherapeuten, Patienten zu beeinflussen, liegt, sondern auf dem leichteren Zugang zu deren Fähigkeiten, Ressourcen und Emotionen. Weitere Unterschiede sind die Verwendung direkter Suggestionen mit Befehlscharakter bei der klassischen Hypnose, während moderne Verfahren indirekte, als Vorschläge formulierte Suggestionen bevorzugen. Die klassische Methode arbeitet zudem symptomorientiert – Symptome sollen „ausgeredet“ werden –, während bei Erickson seelische Zusammenhänge, positive Aspekte des Symptoms, deren Utilisation und individuelle Lösungen im Vordergrund stehen.

Angewendet wird die direktive Methode heute jedoch noch erfolgreich bei der akuten Schmerzbehandlung: Wer beim Zahnarzt unter Schmerzen leidet und eine chemische Anästhesie nicht verträgt, wünscht oftmals keine Wahl-, sondern Schmerzfreiheit und ist gewillt, autoritären Anweisungen Folge zu leisten – auch wenn dies in anderen Kontexten unserer modernen Gesellschaft auf Widerstand stoßen würde.

Benennung und Ziele der Technik

Begriffsklärung

Hypnotherapie  Therapeutisches Verfahren, bei dem der Klient in einen Bewusstseinszustand versetzt wird, in dem es besser als im Alltagsbewusstsein gelingt, eigene Ressourcen zu nutzen.

Hypnose, Trancehypnose  ist die Rahmenbedingung, die es erleichtert, Beschränkungen des Alltags zu verlassen, um neue Lösungen zu erproben. Der so erreichte Bewusstseinszustand wird als Trance bezeichnet: Durch die veränderte mentale Verarbeitung haben logische Kategorien eine geringere Bedeutung, die äußere Realität verliert an Wichtigkeit, während die Fähigkeit zunimmt, innere Realitäten intensiv zu erleben.

Trancephänomene, Trancezeichen  Subjektiv führt die Trance zu Trancephänomenen: körperliche Entspannung bei mentaler Wachheit, lebhafte Vorstellungen, Verringerung der externen Wahrnehmung, Analgesie, Immobilität, Zeitverzerrung und unter Umständen Amnesie für Tranceinhalte.

Anhand bestimmter Trancezeichen lässt sich ablesen, ob jemand sich in Trance befindet. Dazu gehören Absenkung von Tonus, Herzrate und Blutdruck (glatteres Gesicht, Darm- und Magengeräusche), Gefäßdilatation (Veränderung der Hautfarbe), tiefere Atmung, Immobilität und „Sprechfaulheit“, ideomotorische Reaktionen, veränderte Muskelinnervation (Levitation, Katalepsie), Lidschluss oder defokussierter Blick (Revenstorf u. Peter 2009).

Suggestibilität  Hierunter wird die Neigung verstanden, Vorschläge in die eigene Realitätskonstruktion zu übernehmen, also die eigene Welt durch die Brille bestimmter Suggestionen zu betrachten. Das Ausmaß dieser Neigung ist keine stabile Persönlichkeitseigenschaft, sondern variiert von Situation zu Situation. Je mehr sich eine Person in einer unklaren oder beunruhigenden Situation befindet, desto mehr neigt sie dazu, Suggestionen in das eigene Konzept der Situation zu integrieren, um wieder den Eindruck von Kontrolle und Orientierung zu erlangen.

Hypnotisierbarkeit  Fähigkeit, hypnotisiert zu werden und eine bestimmte Trancetiefe zu erreichen. Die Hypnotisierbarkeit eines Menschen ist beeinflussbar, beispielsweise durch den Grad der Motivationen eines Hypnotisanden, durch das Prestige des Hypnotherapeuten, durch die Definition des Kontextes als „Hypnose“. Hypnoseskalen zur Messung der Hypnotisierbarkeit beinhalten Items zur Erfassung von Suggestibilität, aber auch Items zur Erfassung weiterer Tranceaspekte wie Amnesie, ideomotorische Veränderungen und Imaginationsfähigkeit. In der klinischen Praxis finden diese Skalen kaum Verwendung, obwohl niedriger hypnotisierbare Personen von Maßnahmen zur Erhöhung der Empfänglichkeit profitieren könnten.

Lesen Sie hier den gesamten Artikel: Hypnotherapie – Schritt für Schritt

Aus der Zeitschrift: PSYCH up2date 04/2018

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