• Hypothermie unter der Gabe von Aripiprazol

     

Hypothermie unter der Gabe von Aripiprazol

Zusammenfassung

Störungen der Thermoregulation sind unter der Gabe von Neuroleptika bekannt und treten als Hyperthermie z. B. im Rahmen eines malignen neuroleptischen Syndroms auf. Weniger bekannt ist, dass Neuroleptika auch eine Hypothermie verursachen können. Hypothermie im Rahmen einer Neuroleptikagabe trat anfangs unter Gabe typischer Neuroleptika, derweil auch zunehmend unter Gabe von atypischen Neuroleptika auf. Die Hypothermie wird dabei kausal in einem Zusammenhang mit einer Blockade von 5-HT2A-Rezeptoren gestellt. Wir berichten im Folgenden über das Auftreten einer Hypothermie bei Gabe von Aripiprazol bei einem Mann im Alter von 92 Jahren mit einer Demenz vom Alzheimer-Typ.

 

Einführung

Hypothermie ist definiert als ein Absinken der meist rektal gemessenen Körperkerntemperatur unter 35 °C, sie wird eingeteilt in eine geringgradige Hypothermie (33 – 35 °C Körperkerntemperatur), eine moderate Hypothermie (28 – 33 °C Körperkerntemperatur) und eine schwere Hypothermie (< 28 °C Körperkerntemperatur). Ein Absinken der Körperkerntemperatur geht mit zusätzlichen vegetativen Symptomen einher, wie einer Bradykardie, bis zum möglichen Herzstillstand und Blutdruckabfall, einer Hyperventilation, einer Areflexie, Oligurie, bis hin zum Koma oder Tod. Somit stellt sie eine potenziell lebensgefährliche Erkrankung speziell im höheren Lebensalter dar und ist als gefährliche Komplikation einer neuroleptischen Therapie anzusehen. Wir berichten im Folgenden den Fall eines 92-jährigen Mannes, der im Rahmen einer Demenz vom Alzheimer-Typ eine psychotische Symptomatik aufwies, weswegen mit Aripiprazol behandelt wurde. Unter dieser Gabe entwickelte sich eine leichtgradige Hypothermie mit 33,2 °C als Minimalwert und es kam zum Abfall der Herzfrequenz auf 38 Schläge pro Minute bei einem Ausgangswert von 50 – 60 pro Minute.

 

Kasuistik

Ein 92-jähriger Patient, bei dem eine Demenzerkrankung vom Alzheimer-Typ bekannt war, wurde wegen einer zunehmenden psychotischen Symptomatik und einer Störung des Schlaf-wach-Rhythmus zur stationären Aufnahme gebracht. Er sei im Vorfeld der stationären Aufnahme zu Hause nachts aufgestanden, habe laut um Hilfe gerufen, auch seien akustische Halluzinationen aufgetreten. Unmittelbar nach der aktuellen stationären Aufnahme wurde ein cCT durchgeführt. Dieses ergab eine mäßige zerebrale sowie eine subkortikale und kortikale Atrophie. Hinweise auf mikroangiopathische Läsionen lagen nicht vor. Das EKG, welches am 3. Tag nach der Aufnahme des Patienten angefertigt worden war, ergab eine Herzfrequenz von 59 Schlägen pro Minute, bei einem Sinusrhythmus und einem AV-Block I. Grades. Bei dem Patienten wurden komorbid folgende Diagnosen gestellt: Z. n. Herzinfarkt mit nachfolgender aortokoronarer Bypass-OP, koronare Herzkrankheit, arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus mit Polyneuropathie und Retinopathia diabetica-Niereninsuffizienz am ehesten durch den Diabetes bedingt, Prostatahyperplasie.

Zum Aufnahmezeitpunkt erhielt der Patient 100 mg Aspirin/Tag, 47,5 mg Metoprolol/Tag und 80 mg Valsartan/Tag wurde hier zusätzlich behandelt mit 0,4 mg Tamsulosin/Tag, Torasemid 20 mg/Tag, einen Beutel Movicol sowie aufgrund der psychotischen Symptomatik mit 3 mg Aripiprazol/Tag. Am 25. Tag nach Beginn der Therapie mit Aripiprazol betrug die rektal gemessene Körpertemperatur des Patienten 33,2 °C. Zudem lag eine Herzfrequenz von 38 Schlägen pro Minute vor, der Blutdruck war zu diesem Zeitpunkt normotensiv. An diesem Tag bot der Patient einen Kaliumwert von 5,55 (Normbereich 3,7 – 4,9), einen Harnstoffwert von 159,5 (Normbereich 10 – 50), einen Kreatininwert von 2,82 (Normbereich 0,5 – 1,1) bei einer glomerulären Filtrationsrate (GFR) von 19, einem Harnsäurewert von 9,14 (Normbereich 2 – 7), einem Gesamteiweißwert von 6,11 (Normbereich 6,6 – 8,7), das C-reaktive Protein (CRP) lag bei 19,7 (Normbereich 0,1 – 5,0), die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) lag bei 62 (Normbereich 1 – 20) sowie eine leichte Anämie. Die Werte für Kreatinkinase (CK), alkalische Phosphatase, Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT), Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT), Gamma-Glutamyltransferase (GGT), Bilirubin, Natrium, Kalzium, Glukose, Triglyzeride und Leukozyten lagen wie das Differenzialblutbild im Normbereich. Aufgrund des Abfalls der Körperkerntemperatur und der damit einhergehenden Bradykardie wurde der Patient internistisch vorgestellt, jedoch am gleichen Tag zurückverlegt, da am Folgetag die Körperkerntemperatur bei rektaler Messung 33,5 °C betrug und die Herzfrequenz weiterhin unter 40 Schlägen pro Minute lag. Es erfolgte eine erneute internistische Vorstellung bzw. diesmal eine Verlegung des Patienten. Er blieb 3 Tage in einer externen internistischen Klinik. Eine internistische Ursache für die Hypothermie wurde nicht gefunden. Nach Rückübernahme normalisierten sich die Körperkerntemperatur sowie die Herzfrequenz. Die Werte lagen zwischen 50 und 60 Schlägen pro Minute. Nach Rückverlegung lag die Körperkerntemperatur bei über 35 °C. Aripiprazol war bereits am 25. Tag nach Beginn der Therapie als einziges Medikament abgesetzt worden, also am Beginn der gemessenen Hypothermie, da die Hypothermie am ehesten auf die Aripiprazolgabe zurückgeführt wurde.

 

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Aus der Zeitschrift Psychiatrische Praxis

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