• © Kalim - Fotolia.com

    Etwa 1,5 Millionen Deutsche leiden unter krankhaften Angst- oder Panikattacken.

     

Indikator für Angststörungen im Visier

Eine hohe Konzentration des Adenosin-A1-Rezeptors im Gehirn kann möglicherweise ein Indikator eines erhöhten Risikos für eine Angststörung sein. Das lassen aktuelle Befunde von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich vermuten.

Etwa 1,5 Millionen Deutsche leiden unter krankhaften Angst- oder Panikattacken. Eine Forschergruppe aus Jülich, Münster und Würzburg hat die Gehirne von gesunden Personen untersucht, von denen bei einigen ein erhöhtes genetisches Risiko für Angststörungen bestand. Bei den Risikogenträgern fand die Arbeitsgruppe um Projektleiter Professor Dr. Andreas Bauer vom Forschungszentrum Jülich erhöhte Konzentrationen der sogenannten Adenosin-A1-Rezeptoren, die eine wichtige Rolle bei der Signalübertragung im Gehirn spielen. Der in der Zeitschrift „Neuropsychopharmacology“ veröffentlichte Befund eröffnet nach Meinung der Wissenschaftler neue Forschungsansätze für medikamentöse Behandlungsstrategien.

Die neuen Erkenntnisse der Wissenschaftler basieren auf Untersuchungen mittels der Positronen-Emissionstomografie (PET) bei Gehirnen gesunder Menschen, die zuvor genetisch auf Risikofaktoren für das Auftreten von Angststörungen wie Panikattacken sowie Phobien wie etwa die Flug- oder Höhenangst oder die Agoraphobie untersucht wurden.

Als ein Risikofaktor, der mit neurologischen und psychiatrischen Krankheiten in Verbindung gebracht wird, gelten bestimmte Varianten im Gen von Adenosinrezeptoren. Dabei interessierte die Forschergruppe insbesondere die Konzentration der Adenosin-A1-Rezeptoren im Gehirn. Mittels einer schwach radioaktiven Substanz wurden die Rezeptoren markiert und damit praktisch sichtbar gemacht. Es zeigte sich, dass gesunde Risikogenträger eindeutig hohe Konzentrationen des Adenosin-A1-Rezeptors in allen untersuchten Hirnbereichen aufweisen, insbesondere im Großhirn – und zwar mehr als Probanden ohne Risikogen. "Die Forschung hat bislang noch keine genaue Erklärung, warum einige Menschen mit einer Genvariante trotz erhöhten Risikos keine Symptome einer Angststörung zeigen. Die erhöhte Konzentration des Adenosin-A1-Rezeptors könnte die Antwort sein", erklärt Projektleiter Bauer.

Aus Sicht der Forschergruppe sprechen die Ergebnisse für eine enge Beziehung von genetischer Veranlagung und den beobachteten Rezeptorkonzentrationen. "Wir vermuten, dass die erhöhte Konzentration der Adenosin-A1-Rezeptoren einen Kompensations- oder Schutzmechanismus darstellen könnte, der verhindert, dass es trotz genetischer Veranlagung zu einer Angststörung kommt", so Bauer. Um das zu überprüfen, wollen die Wissenschaftler nun in klinischen Studien Risikogenträger untersuchen, die bereits unter einer Angststörung leiden.

Der Adenosin-A1-Rezeptor könnte damit als Indikator für eine drohende Angststörung dienen. Darüber hinaus ergeben sich möglicherweise auch neue therapeutische Möglichkeiten. "Über diese Rezeptoren kann sich ein neuer pharmakologischer Weg zur Modulation der Signalketten eröffnen, die an der Entstehung von Angststörungen beteiligt sind", erklärt Prof. Bauer.

Titel zum Thema

Psychiatrie und Psychotherapie compact
Siegfried Kasper, Hans-Peter Volz, Bernhard Blanz, John Peter Doerr, Martina de ZwaanPsychiatrie und Psychotherapie compact

Das gesamte Facharztwissen

EUR [D] 44,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.

EMDR
Arne HofmannEMDR

Praxishandbuch zur Behandlung traumatisierter Menschen

EUR [D] 49,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.