• Inklusion – noch Defizite bei psychischen Erkrankungen

    Gelebte Inklusion umfasst nach Angaben der Organisation alle Bereiche des täglichen Lebens.

     

Inklusion – noch Defizite bei psychischen Erkrankungen

Jeder Mensch hat ein Recht auf „Inklusion“ – so steht es in der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, die auch von Deutschland mitgetragen wird. Obwohl damit auch Menschen mit „seelischer Behinderung“ die gesellschaftliche Teilhabe garantiert wird, gibt es nach Angaben des „Aktionsbündnis Seelische Gesundheit“ in dieser Hinsicht noch deutlich Defizite.

 

Gelebte Inklusion umfasst nach Angaben der Organisation alle Bereiche des täglichen Lebens. So können auch schwer psychisch kranke Menschen zum Beispiel in einem ganz normalen Mietshaus wohnen und einer geregelten Arbeit nachgehen. Tatsächlich hat es in diesem Punkt in den vergangenen Jahrzehnten Fortschritte gegeben. Denn während die Patienten in den 60er Jahren durchschnittlich ein Jahr lang in geschlossen geführten Stationen lebten, beträgt die Verweildauer heutzutage im Mittel nur noch 24 Tage. Die psychiatrischen und psychotherapeutischen Fachkrankenhäuser haben sich verkleinert, es sind Fachabteilungen an Allgemeinkrankenhäusern entstanden und gleichzeitig wurden psychiatrische Tageskliniken und Institutsambulanzen eröffnet, in denen die Patienten betreut werden.

 

„Als Gegenentwurf zur Aussonderung in Kliniken oder Heimen möchte die Gemeindepsychiatrie Hilfen vor Ort etablieren und sowohl Angehörige als auch Freunde, Arbeitgeber, Kollegen und Nachbarn einbeziehen“, berichtet der Psychologe und Psychiater Nils Greve, Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrischer Verbünde. Mittlerweile spannt sich nach seinen Aussagen ein Netz aus gemeindepsychiatrischen Angeboten über Deutschland und es gibt viele psychosoziale Kontakt- und Beratungsstellen als Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige. Zudem haben gemeindepsychiatrische Trägerorganisationen betreute Wohnformen und eine ganze Reihe arbeitsrehabilitativer Maßnahmen in Deutschland aufgebaut.

 

„Doch die volle und wirksame Teilhabe von Menschen mit psychischer Erkrankung ist noch nicht
erreicht“, kritisiert Ruth Fricke vom Vorstand des Bundesverbandes Psychiatrie - Erfahrener e.V. „Die Betroffenen haben nach wie vor ein hohes Risiko, ihre sozialen Bezüge und ihren Arbeitsplatz zu
verlieren und zu verarmen.“ Das bekräftigt eine gemeinsame Stellungnahme verschiedener Verbände – darunter die Aktion Psychisch Kranker e.V., der Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V. und der Dachverband Gemeindepsychiatrie e.V. Die Verbände fordern unter anderem eine flächendeckende Umsetzung von aufsuchender Krisenintervention und mehr Hilfen zur Teilhabe an Arbeit und Beschäftigung.

 

„Der Zugang zu ambulanten psychosozialen Behandlungsformen, wie zum Beispiel der
Akutbehandlung zu Hause (Home-Treatment), wird durch verschiedene Barrieren erschwert und
hängt nach wie vor von mehr oder weniger zufälligen Konstellationen ab“, bemängelt auch Prof. Steffi Riedel-Heller von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).

 

Der Verlust des Arbeitsplatzes ist für psychisch kranke Menschen dabei die größte Gefahr, die einer
Teilhabe entgegensteht. Das ergab eine Befragung des Dachverbandes Gemeindepsychiatrie e.V. im
Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit. Die Statistik bestätigt dies: Psychische Erkrankungen sind die Hauptursache für eine frühzeitige Erwerbsunfähigkeit. Und nur zehn Prozent aller psychisch Erkrankten arbeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt. „Dagegen bilden Behindertenwerkstätten zunehmend ein Auffangbecken für Menschen mit psychischen Erkrankungen“, berichtet Riedel-Heller. „Doch Arbeit in geschützten Werkstätten und soziale Absicherung durch frühe Berentung können die Chancen einer regulären Erwerbstätigkeit nicht ersetzen.“
„Psychisch krank und mittendrin?!“ unter diesem Schwerpunkt steht daher die Berliner Woche der Seelischen Gesundheit, die im Oktober dieses Jahres im Rahmen einer bundesweiten Aktionswoche Angebote zur Inklusion aufzeigen will und vom Aktionsbündnis Seelische Gesundheit koordiniert wird.

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