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Internetabhängigkeit, Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten

Internetabhängigkeit geht mit einem hohen Maß an komorbiden psychischen Störungen, insbesondere Depressionen, Angststörungen, ADHS und Persönlichkeitsstörungen und einem erheblichen Leidensdruck einher. Im Hinblick auf das hieraus resultierende Gefahrenpotenzial untersucht die vorliegende Arbeit die aktuelle Forschungsliteratur bezüglich Suizidalität und nicht suizidalem selbstverletzendem Verhalten bei Internetabhängigkeit.

Seit 2013 ist es zu einer erheblichen Zunahme der weltweiten Digitalisierung gekommen. Allein im Zeitraum von Dezember 2000 bis November 2015 hat die Internutzung weltweit um 832,5% (Europa: 474,9%) zugenommen. Im Zuge dieser Entwicklung ist auch eine Zunahme des neuartigen Phänomens der Internetabhängigkeit zu verzeichnen. Die negativen sozialen Auswirkungen der Sucht und ihre psychischen Begleiterkrankungen können zu einem erheblichen Leidensdruck führen, der sich auch in suizidalen Gedanken und Impulsen niederschlagen kann.

Betrachtet man das gesamte Spektrum der Internetabhängigkeit ohne Unterteilung in ihre nach dem primären Konsum gegliederten Subgruppen (Computerspiele, Soziale Netzwerke, Cybersex, Online-Glückspiel und Online-Shopping), so findet sich eine große Varianz der Prävalenzraten. Bischoff et al. ermittelten in einer 2012 durchgeführten repräsentativen deutschlandweiten Erhebung eine Punktprävalenz von 1% in der Altersgruppe der 14-64-Jährigen, wobei sich für die jüngere Teilstichprobe der 14 bis 24-Jährigen eine Punktprävalenz von 2,4% ergab. In einer Übersichtsarbeit berichteten Carli et al. unter Bezugnahme auf 5 Studien, die Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren im Zeitraum zwischen 1999 und 2008 untersuchten, über EU-weite Punktprävalenzen von 2–18,3%. Für den asiatischen Raum wurde von diesen Autoren für die Zeiträume 2000 bis 2008 sogar eine noch größere Varianz der ermittelten Prävalenzraten von 0,9–37,9% beschrieben. Demgegenüber lagen die Punktprävalenzangaben in den USA, auf der Basis von 2 inkludierten Erhebungen an Erwachsenen in den Jahren 2000 und 2004 zwischen 0,3–8,1%.

Ungeachtet der verschiedenen Subgruppen und Prävalenzraten konnte bei den Betroffenen ein deutlicher Leidensdruck sowie relevante Einschränkungen und Beeinträchtigungen im Alltag durch die Unfähigkeit, den Internetkonsum zu steuern, sowie die hieraus entstehenden sozialen, beruflichen und gesundheitlichen Folgen (z. B. sozialer Rückzug und Isolation, Einschränkung der Leistungsfähigkeit mit Schul- oder Studienabbrüchen oder Arbeitsplatzverlusten, finanzielle Probleme) beobachtet werden. Diese werden häufig durch vorbestehende oder im Verlauf entstehende Begleiterkrankungen verstärkt. In Einzelstudien von Shapira et al. und Greenfield zeigte sich sogar bei 100% der Internetabhängigen mind. eine Begleiterkrankung. Als charakteristische komorbide psychische Erkrankungen gelten Depressionen, Angststörungen, ADHS, substanzgebundene Abhängigkeit und Persönlichkeitsstörungen. Als auslösende und aufrechterhaltende Faktoren sind Persönlichkeitsmerkmale wie Impulsivität, geringer Selbstwert, Prokrastinationsverhalten, Einsamkeit sowie depressive und ängstlich-vermeidende Eigenschaften von Bedeutung. Einige dieser Faktoren können gleichermaßen Prädiktoren für Suizidalität darstellen. Inwieweit bei Internetabhängigen störungsübergreifend Selbstverletzungen, suizidale Gedanken und Verhaltensweisen eine Rolle spielen, ist bislang allerdings noch wenig untersucht.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier Internetabhängigkeit, Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten – Ein systematisches Review

Aus der Zeitschrift PPmP - Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie 11/2018

 

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