• Internetsucht - Unmittelbare psychologische Effekte der Internetnutzung

    Nur noch Internet im Kopf: Die verschlechterte Stimmungslage bei Internetsüchtigen im Zuge des Internetkonsums könnte ein Entzugssymptom darstellen. Diese versuchen die Patienten durch weiteren Internetkonsum zu lindern. (Bild: PhotoDisc)

     

Internetsucht - Unmittelbare psychologische Effekte der Internetnutzung

Internetsucht wird mittlerweile als psychische Erkrankung angesehen, die viele Bereiche des persönlichen Lebens beeinflusst. M. Romano et al. haben bei Internetsüchtigen sowie bei Personen, die das Internet nur wenig nutzen, untersucht, welche unmittelbaren Auswirkungen ein 15-minütigen Internetbesuch auf Stimmung, Depressionen und das Angstempfinden hat.

PLoS ONE 2013; DOI: 10.1371/journal.pone.0055162

 

Insgesamt 60 Freiwillige aus der Region Swansea / Vereinigtes Königreich, erklärten sich bereit, an der Studie teilzunehmen. Dabei handelte es sich um 27 Männer und 33 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 24 ± 2,5 Jahren. Die Studienteilnehmer unterzogen sich zunächst einer Reihe von psychologischen Tests ("Internet Addiction Test" [IAT], "Positive And Negative Affect Schedule" [PANAS], "Spielberger Trait-State Anxiety Inventory" [STAI-T/S], "Beck Depression Inventory" [BDI], "Oxford Liverpool Inventory of Feelings and Experiences-Brief Version" [O-LIFE(B)], "Autistic Spectrum Quotient Questionnaire" [AQ]). Danach wurden sie gebeten, für 15 Minuten das Internet zu nutzen, um im Anschluss die Tests PANAS und STAI erneut zu absolvieren.

 

Internetnutzung mindert Stimmung bei Abhängigen

Die Analyse erbrachte eine starke Assoziation zwischen Internetsucht und einer lang andauernden Depression, "Schizotypal impulsive Nonconformity" sowie autistischen Wesenszügen. Die Assoziationen zwischen Internetsucht und lang andauernder Angst sowie einer negativen Stimmungslage waren schwächer ausgeprägt. Die Autoren unterteilten die Probanden in Gruppen mit einem weniger problematischen sowie problematischen Internetverhalten. Die Gruppe mit dem weniger problematischen Internetverhalten zeigte gegenüber der Vergleichsgruppe eine deutlich stärkere Zunahme des aktuellen Angstempfindens (p < 0,05). Im Gegensatz dazu war bei der Gruppe mit dem problematischen Internetverhalten nach der Internetnutzung eine deutlich stärkere Abnahme der positiven Stimmungslage zu verzeichnen (p < 0,001).

 

Fazit

Surfen im Internet verschlechtert bei Internetsüchtigen unmittelbar nach der Internetnutzung die positive Stimmung, so das Ergebnis der Studie. Die Autoren vermuten, dass die Betroffenen als Reaktion darauf das Bedürfnis einer erneuten Internetnutzung verspüren, um ihre Stimmung aufzuhellen. Dieser Mechanismus führt bei den Internetsüchtigen möglicherweise zur Aufrechterhaltung ihres problematischen Surfverhaltens.´

 

Aus der Zeitschrift PPmP 2013; 7: 254