• Ketamin lindert Suizid-Gedanken in Stunden

     

Ketamin lindert Suizid-Gedanken in Stunden

Depressive Menschen mit akuten Suizidgedanken brauchen eine schnell wirksame Pharmakotherapie zur Verringerung des Suizidrisikos. Die Ketaminwirkung auf Suizidgedanken wurde bisher bei Patienten mit geringer suizidaler Gefährdung geprüft. Psychiater der Columbia-Universität, New York, untersuchten die akuten Effekte von intravenösem Ketamin in subanästhetischer Dosierung auf klinisch signifikante Suizidgedanken bei Patienten mit Major Depression.

Für die randomisierte klinische Studie wurden Erwachsene im Alter zwischen 18 und 65 Jahren mit aktueller Major Depression, mit einem Score ≥ 16 auf der Hamilton-Skala (HAM-D) und einem Suizidalität-Score ≥ 4 auf der Scale for Suicide Ideation (SSI), eingeschlossen. Von zunächst 132 Patientinnen und Patienten wurden letztlich 82 randomisiert und dann entweder mit Ketamin oder Midazolam behandelt. In die Auswertung gelangten 80 Studienteilnehmer. Alle Patientinnen und Patienten berichteten von einer durchschnittlichen Einnahme von 4 Antidepressiva aus 2 Medikamentengruppen im Verlauf ihrer Erkrankung. Zu Beginn der Studie nahmen aktuell 54 % der Patienten antidepressive Medikamente ein. Der Frauenanteil in der Ketamin-Gruppe betrug 55 % in der Midazolam-Gruppe 65 %.

Beide Studiengruppen unterschieden sich nicht signifikant hinsichtlich ihrer Basischarakteristika und der Häufigkeit von Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Der primäre Endpunkt der Studie bildete der SSI-Score 24 Stunden nach der Infusion (am Tag 1).

In der Ketamin-Gruppe lag die Reduktion des SSI-Scores am Tag 1 um 4,96 Punkte höher als für die Midazolam-Gruppe (95 % KI = 2,33–7,59) mit einer mittleren Effektstärke (Cohens d = 0,75). Die Einbeziehung der Diagnose Borderline-Persönlichkeitsstörung als Kovariante, hatte einen kleinen Effekt auf die Ergebnisse.

Der Anteil der Responder, definiert als eine Verringerung ≥ 50 % im SSI-Score am Tag 1, betrug 55 % für die Ketamin-Gruppe und 30 % für die Midazolam-Gruppe (Odds Ratio = 2,85, 95 % KI = 1,14–7,15; Number needed to treat = 4,0). Die Verbesserungen am Tag 1 in der „Profile of Mood States” (POMS)- Gesamtskala fiel für die Ketamin-Gruppe im Vergleich zur Midazolam-Gruppe insgesamt deutlicher aus, auch für die Subskalen Depression und Fatigue. Dieser Effekt vermittelte 33,6 % der Ketaminwirkung auf den SSI-Wert.

Nebenwirkungen waren nur von vorübergehender Dauer. Im unkontrollierten Follow-up hielten die klinischen Verbesserungen bis zu 6 Wochen unter zusätzlicher optimierter Standard-Pharmakotherapie an.

 

FAZIT

Nach Auffassung der Autoren, zeigt Ketamin eine deutlichere Reduktion der klinisch signifikanten Suizidgedanken bei depressiven Patienten innerhalb von 24 Stunden als Midazolam. Dieser Effekt war teilweise unabhängig von der antidepressiven Wirkung.

Richard Kessing, Zeiskam

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie Psychiatrie

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