• Schmerzsyndrom

    Ein komplexes regionales Schmerzsyndrom entwickelt sich nach einem Trauma.

     

Das komplexe regionale Schmerzsyndrom

Lernziele

Nach Lektüre des Artikels sollen Kenntnisse über Definition, Pathophysiologie und Therapie des CRPS vorhanden sein.

Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS) ist definiert als ein posttraumatisches Schmerzsyndrom einer Extremität, bei dem die Schmerzen im Vergleich zum erwarteten Heilungsverlauf unangemessen stark ausgeprägt sind; die Symptome gehen über die Traumastelle hinaus und beschränken sich nicht auf das Innervationsgebiet einzelner peripherer Nerven oder Nervenwurzeln. Die Inzidenz liegt bei 5/100 000 oder bei 1 – 2 % aller Frakturen.

Eine frühzeitige Therapie kann die Ausbildung eines chronischen CRPS, das bis zur Gebrauchsunfähigkeit der betroffenen Extremität führen kann, verhindern. Die pathophysiologisch orientierte Therapie besteht in frühzeitiger Gabe von Kortikosteroiden und Bisphosphonaten. Ergänzend wird eine symptomatische Schmerztherapie eingesetzt. Unerlässlich, in akuten und auch chronischen Stadien, ist die spezielle CRPS-Physiotherapie, die auch verhaltenstherapeutische Elemente enthält.

 

Geschichte und Definition

Geschichte

Sir Weir Mitchell beschrieb 1864 in seiner Abhandlung “Gunshot wounds and other injuries of peripheral nerves” Patienten, deren Erkrankung wir heute als komplexes regionales Schmerzsyndrom mit Nervenläsion, also als CRPS II einordnen würden. Sudeck schrieb 1901 über die „akute (reflektorische) Knochenatrophie nach Entzündungen und Verletzungen in den Extremitäten und ihre klinischen Erscheinungen“, entsprechend dem CRPS I ohne Nervenläsion. Leriche entwickelte die therapeutische Intervention der Sympathektomie. Evans prägte 1936 den Begriff „sympathische Reflexdystrophie“ (reflex sympathetic dystrophy, RSD), der auch von Bonica übernommen wurde. Bonica unterschied erstmals eine Form mit Nervenläsion, die er Kausalgie nannte.

Bei einer Konsensuskonferenz 1995 einigte man sich auf den deskriptiven Begriff „komplexes regionales Schmerzsyndrom“, auf Englisch „complex regional pain syndrom“ (CRPS). Mit dem Begriff des CRPS wollte man jegliche Konnotation zur Pathophysiologie vermeiden. Es wurde zwischen CRPS Typ I (ohne Nervenläsion) und Typ II (mit Nervenläsion) unterschieden.

 

Merke

Man unterscheidet CRPS I ohne Nervenläsion von CRPS II mit Nervenläsion. Die frühere Kausalgie entspricht dem CRPS II, die frühere sympathische Reflexdystrophie oder Morbus Sudeck dem CRPS I.

Aus der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 2014; 82(2): 104-115

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