• Kindheitstrauma - Auswirkungen bis ins Erwachsenenleben

    Die Manipulation des Gehirns mit Dopamin ist ein vielversprechender Weg, um primäre und sekundäre Präventionsstrategien zu verbessern.

     

Mit L-Dopa gegen Phobien und posttraumatische Störungen?

Die Langzeiteffekte einer Psychotherapie bei Phobien sowie posttraumatischen Störungen (PTSD) lassen sich möglicherweise durch die Gabe von L-Dopa verbessern. Das deuten aktuelle Untersuchungsbefunde an.

Bei Soldaten, die später in Kriegsgebieten eingesetzt werden sollen, haben belgische Wissenschaftler untersucht, wie gut sie negative Erinnerungen extinguieren können. Diejenigen, die gut in der Lage waren, die Erinnerungen wieder zu löschen, hatten nach dem Kriegseinsatz eine geringere Wahrscheinlichkeit, Stresssymptome zu entwickeln. "Wenn ein Mensch mental flexibel genug ist, bereits bestehende Assoziationen auszutauschen, ist er wahrscheinlich besser in der Lage, negative Langzeitfolgen zu vermeiden", erläutert dazu Professor Dr. Raffael Kalisch, Leiter des Neuroimaging Center (NIC) am Forschungszentrum Translationale Neurowissenschaften der Universität Mainz.

 

Gemeinsam mit Kollegen hat Kalisch Hinweise dafür gefunden, dass das Belohnungszentrum im Gehirn für die Prozesse verantwortlich ist. Es steuert in direkter Abhängigkeit von der Ausschüttung des Neurotransmitters Dopamin die Entkopplung negativer Assoziationen.

 

Dopamin beeinflusst somit nicht nur den Bewegungsapparat des Menschen, sondern wirkt sich auch darauf aus, wie Erinnerungen im Gedächtnis festgeschrieben werden. Nimmt eine Person beispielweise nach einer Angst-Exposition L-Dopa ein, so wird laut Kalisch eine sekundäre positive Erinnerung an die Expositionsphase entwickelt. Diese kann offenbar die negativen Erinnerungen ersetzen. L-Dopa kann somit vielleicht zukünftig auch zur Prävention von Rezidiven bei PTSD- oder Phobiepatienten eingesetzt werden. "Unser Ziel ist es, die Langzeiteffekte einer Psychotherapie durch die Kombination mit L-Dopa zu verbessern", so Kalisch.

 

Um diese Hypothese zu verifizieren, hat der Wissenschaftler nun eine klinische Studie zur Spinnenphobie gestartet. Sie soll unter anderem prüfen, ob L-Dopa Auswirkungen auf den Therapieerfolg hat. "Die Manipulation des Gehirns mit Dopamin ist ein vielversprechender Weg, um primäre und sekundäre Präventionsstrategien zu verbessern", zeigt sich Kalisch vom Ergebnis überzeugt.

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