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Leitlinie „Schichtarbeit“ ist in Arbeit

Seit Jahren ist bereits gut dokumentiert, dass das Arbeiten zu Zeiten, in denen die innere Uhr eigentlich im Schlafmodus ist, den Menschen krank machen kann. Konsequenzen aus dieser Erkenntnis wurden bislang kaum gezogen. Schlafmediziner fordern deshalb, zumindest die Beleuchtung so umzustellen, dass die derzeitigen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit möglichst gering gehalten werden. Die technischen Möglichkeiten dazu sind gegeben, hieß es im Vorfeld der 24. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) in Dresden, die in diesem Jahr unter dem Motto „Schlafmedizin: grenzüberschreitend und innovativ“ steht.

Die Schlafmediziner betonen, dass Schichtarbeit ein unverzichtbarer Bestandteil von Teilen der Industrieproduktion wie auch von Beschäftigung im Sicherheits- und Gesundheitswesen ist. Die gesundheitlichen Konsequenzen sind allerdings nicht unbeträchtlich. So hat das Bundesverfassungsgericht bereits 1992 in seinem Grundsatzurteil betont, dass „Nachtarbeit grundsätzlich für jeden Menschen schädlich ist“. Außerdem hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits im Jahr 2007 Nachtschichtarbeit als „wahrscheinlich Krebs erregend“ eingestuft.

Während dabei zunächst die sozialen Auswirkungen als Hauptursache Schichtarbeit-assoziierter Erkrankungen angesehen wurden, setzt sich nun zunehmend die Erkenntnis durch, dass Störungen des zirkadianen Systems der wesentliche Grund für krankhafte Prozesse durch die Schichtarbeit sind. „Die Schlafmedizin hat wie keine andere medizinische Fachrichtung die Kenntnisse zu zirkadianen Rhythmen in ihre Krankheitskonzepte integriert. Ohne ein System innerer Uhren wäre eine Wachheit über 16 Stunden ohne wesentliche Leistungseinbußen gefolgt von einem achtstündigen kontinuierlichen Schlaf nicht erklärbar“, erläutert dazu Dr. Dieter Kunz, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Chronobiologie der DGSM.

Im Hinblick auf den Schlaf zeigt die Auswertung der bestehenden Literatur nach seinen Angaben, dass bei rotierendem Schichtsystem der Schlaf nach Nachtschichten reduziert ist. Ein wesentlicher Faktor dabei ist die Taktung des zirkadianen Systems durch Licht und Dunkelheit. Zur Sicherung von Sicht und Wachheit auch in der Nachtschicht ist in aller Regel eine Beleuchtung notwendig, für die als „Licht zum falschen Zeitpunkt“ eine gesundheitsschädigende Wirkung nachgewiesen ist. „Durch die heutzutage zur Verfügung stehende LED-Technologie sollte es in Zukunft möglich sein, Beleuchtungen zu konzipieren, die eine Verbesserung von Aufmerksamkeit und Konzentration in der Nachtschicht erreichen – bei gleichzeitigem Fehlen negativer Auswirkungen auf die Gesundheit“, fordert der Schlafmediziner.

Unter Mitarbeit der DGSM wird derzeit eine Leitlinie „Schichtarbeit“ erarbeitet. Insgesamt sei es sehr überraschend, wie wenig verlässliche Literatur zum Thema existiere, betonte Kunz: „Während humanexperimentelle Arbeiten mit simulierter Nachtschicht unter strikter Kontrolle beeinflussender Faktoren klare Hinweise auf nachfolgende Störungen wie auch auf deren Beeinflussung geben, scheinen diese unter „realen“ Bedingungen schwerer zu fassen sein“. Dabei ist bekannt, dass vor allem ältere Menschen allgemein anfälliger für Störungen durch Nachtschicht sind und auch entsprechend häufiger mit Schlafmitteln behandelt werden.

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