• Levomethadon in der Substitutionstherapie von opioidabhängigen Patienten

    In Deutschland konsumieren etwa 200 000 Menschen pro Jahr illegale opioidhaltige Substanzen.

     

Levomethadon in der Substitutionstherapie von opioidabhängigen Patienten

Einleitung

Die Begriffe Opioid-, Opiat- und Heroinabhängigkeit werden oft synonym verwendet. Opioide umfassen eine Substanzgruppe mit morphinartigen Eigenschaften, die an Opioidrezeptoren binden. Der Begriff „Opioid“ wird daher im Folgenden bevorzugt.

In Deutschland konsumieren etwa 200 000 Menschen pro Jahr illegale opioidhaltige Substanzen, vorzugsweise Heroin. Davon befinden sich derzeit ca. 76 000 in Substitutionsbehandlung, betreut durch etwa 2700 suchtmedizinisch tätige Ärzte (Stand 2011). Opioidabhängigkeit ist eine chronische, schwerwiegende und komplikationsreiche psychiatrische Erkrankung, die oft einen tödlichen Ausgang nimmt. Sie ist gekennzeichnet durch eine hohe psychische und somatische Komorbidität und soziale Defizite.

Gerade der missbräuchliche intravenöse Opioidkonsum geht mit einem hohen Komplikationsrisiko einher, wie Spritzenabszesse und die Übertragung von Hepatitis B und C sowie HIV. Bis zu 40 % der Abhängigen sind mit Hepatitis B infiziert und 50-90 % mit Hepatitis C. Die Prävalenzrate der HIV-Infektion bei substituierten Patienten liegt zwischen 5 % und 35 %. Psychische Begleiterkrankungen sind insbesondere affektive Störungen und Persönlichkeitsstörungen. Bei der im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführten deutschen PREMOS-Studie wiesen bei Studieneinschluss ca. 65 % der Opioidabhängigen psychische Begleiterkrankungen auf. Im Vordergrund standen Depressionen (38 %), Persönlichkeitsstörungen (20 %) und Angststörungen (17 %). Bei unbehandelten Opioidabhängigen wird die Sterberate auf etwa 2,5-3 % pro Jahr geschätzt. Darunter fallen Intoxikationen, infektionsbedingte Todesfälle, Suizide und anderweitig geartete Todesursachen.

Die Substitutionstherapie ist heutzutage in Deutschland als Standardbehandlung der Opioidabhängigkeit anerkannt. Sie gilt als wissenschaftlich gut erprobte, wirksame und sichere Therapieform. Zwar wird mit der Substitutionsbehandlung nur selten eine völlige Abstinenz erreicht, doch sichert sie den Betroffenen oft das Überleben. International gesehen ist die Mortalitätsrate unter einer Substitutionsbehandlung um mehr als die Hälfte niedriger als bei Patienten, die sich in keinem Substitutionsprogramm befinden. In Deutschland liegt die jährliche Todesrate unter Substitutionsbehandlungen bei rund 1 %. Doch senkt eine Substitutionstherapie nicht nur erheblich das Mortalitätsrisiko, sie ermöglicht auch eine Stabilisierung und Verbesserung der somatischen und psychischen Gesundheit und erhöht die Chance einer Resozialisierung. Darüber hinaus werden Beschaffungskriminalität und Prostitution vermindert.

Für die Substitutionstherapie sind in Deutschland derzeit als Medikamente erster Wahl zugelassen:

  • razemisches Methadon
  • Levomethadon
  • Buprenorphin und
  • Buprenorphin/Naloxon.

 

Arzneimittel zweiter Wahl sind

  • Dihydrocodein/Codein und
  • unter besonderen Auflagen Diacetylmorphin (Heroin).

 

Schon vor Jahren entwickelte sich aus Kostengründen eine Ausrichtung auf die Verordnung von Methadon-Razemat. So wurde auch im Jahr 2011 in Deutschland zur Substitutionsbehandlung überwiegend razemisches Methadon (54,8 %) eingesetzt, gefolgt von Levomethadon (25,4 %) und Buprenorphin (19,2 %). Eine adäquate Substitutionstherapie sollte auch eine psychosoziale Betreuung mit einbeziehen. Hinsichtlich klinischer Wirksamkeit (insbesondere Reduktion des illegalen Opioidkonsums) scheinen razemisches Methadon und Levomethadon gleichwertig zu sein. Levomethadon wird in Deutschland und Österreich zur Substitution verwendet und wird möglicherweise auch in der Schweiz zugelassen. Neuere Studien deuten darauf hin, dass Levomethadon von bestimmten Patientenkollektiven besser toleriert wird.

 

Lesen Sie hier den ausführlichen Artikel

Aus der Zeitschrift DMW Dtsch med Wochenschr 2013; 138(40): 2052-2056