• Suizidalität

    Das Suizidrisiko ist bei affektiven Störungen mit 6 – 10 % in etwa 10-mal höher als in der Allgemeinbevölkerung.

     

Lithium schützt bei unipolaren und bipolaren affektiven Störungen vor Suizid

Das Suizidrisiko ist bei affektiven Störungen mit 6 – 10 % in etwa 10-mal höher als in der Allgemeinbevölkerung. Der suizid-präventive Effekt von Lithium ist bereits seit Langem bekannt und wurde auch in Metaanalysen bestätigt. Die niedrige Anzahl der behandelten Patienten in den dabei berücksichtigten Studien ließ jedoch bislang keinen Rückschluss darauf zu, ob die suizid-präventive Wirkung sowohl für unipolare als auch für bipolare depressive Störungen gilt. Diese Lücke schließen Andrea Cipriani von der Universität Verona und Mitarbeiter nun in einer im British Medical Journal erschienenen Studie.

Für ihre Metaanalyse werteten sie die Daten von 48 Studien mit insgesamt 6674 Patienten aus. Die Patienten litten an unipolaren Depressionen, bipolaren Störungen, schizoaffektiven Störungen oder einer Dysthymie. Bei 23 Studien wurde die Wirkung von Lithium mit Placebo verglichen, in den anderen Studien kam ein Vergleichsmedikament (z. B. Antidepressiva oder Carbamazepin) zum Einsatz. Im Vergleich zu Placebo führte Lithium zu einer deutlichen Reduktion der Anzahl vollendeter Suizide (Odds Ratio [OR] 0,13). Dieses Ergebnis bleibt auch deutlich, wenn nur Patienten mit einer unipolaren Depression betrachtet werden (OR 0,36). In Bezug auf die Reduktion von selbstschädigendem Verhalten konnte keine klare Überlegenheit gegenüber Placebo, wohl aber eine Überlegenheit gegenüber Carbamazepin gezeigt werden.

In ihrer lesenswerten Diskussion spekulieren die Autoren, dass die suizid-präventive Wirkung von Lithium nicht alleine auf die antidepressive und phasenprophylaktische Wirkung zurückgeführt werden kann. Sie begründen dies damit, dass die suizid-präventive Wirkung des Lithiums deutlich stärker ist als die Wirkung auf die zugrunde liegende affektive Störung. Das mache einen spezifischen antisuizidalen Effekt des Lithiums wahrscheinlich, beispielsweise durch Reduktion von Impulsivität und Aggressivität.

 

Fazit

Cipriani und Koautoren empfehlen, dass Lithium trotz der bekannten Nebenwirkungen angesichts der suizid-präventiven Wirkung einen Stellenwert in der Behandlung von unipolaren und bipolaren Depressionen haben sollte. Diese Empfehlung erscheint besonders relevant bei Patienten, die ein hohes Suizidrisiko haben. So wird beispielsweise bereits in der Einleitung das Suizidrisiko für stationär psychiatrisch behandelte Männer, die sich in der Vergangenheit selbst geschädigt haben, mit 26 % angegeben.

 

Dr. Jan Philipp Klein, Lübeck

Aus der Zeitschrift PSYCH up2date 2013; 7(06): 333-334