• Fruchtfliege

    Nach der Gabe von Crystal Meth verbrauchten die hyperaktiven Fruchtfliegen mehr Energie als sie zu sich nahmen und verhungerten.

     

Magersüchtige Fliegen durch Methamphetamin?

Der Konsum von Methamphetamin, auch bekannt als Crystal Meth, kann erhebliche gesundheitliche Folgen haben. Bilder stark abgemagerter Menschen prägen bereits die Antidrogen-Kampagnen in den USA. Im Tierexperiment haben K. R. Walters und Kollegen nun untersucht, wie der Energiestoffwechsel auf Methamphetamin reagiert.

J Toxicol Sci 2012; 37: 773–790

 

Küchenabfälle und vergammeltes Obst sind ihre Lieblingsspeise – Drosophila melanogaster vermehrt sich immer dann, wenn die Bananen im Obstkorb langsam braun werden oder der Mülleimer zu lange nicht geleert wurde. In der Wissenschaft dienen die nur 2 mm großen Fruchtfliegen häufig als Forschungsobjekte, wenn die Untersuchung aus ethischen Gründen nicht am Menschen vorgenommen werden kann. Der Organismus der Fruchtfliege stand auch im Mittelpunkt einer Untersuchung um Studienleiter K. Walters. Das Forschungsteam der Universität in Illinois, USA, wollte wissen, welche Auswirkungen der Konsum von Methamphetamin auf den Stoffwechsel hat. Den Hintergrund bilden die teils gravierenden gesundheitlichen Auswirkungen des Konsums von Methamphetamin, das in den USA auch als "Crystal Meth" gehandelt wird.
Bislang war nur bekannt, dass Methamphetamin in den Energiestoffwechsel des Körpers eingreift. Dies hat zur Folge, dass Konsumierende teils stark abmagern. Unklar war bislang, welche Mechanismen dem zugrunde liegen. Um dies herauszufinden bekamen Fruchtfliegen Methamphetamin entweder mit oder ohne zusätzliche Gabe von Glucose verabreicht. Die Forscher überprüften anschließend sowohl den Energiehaushalt als auch das Verhalten der Fliegen.

 

Reduzierte Nahrungsaufnahme

Als Folge der Stimulanziengabe nahmen die Fliegen bis zu 80 % weniger Nahrung auf, während ihre motorische Aktivität um das 2-fache zunahm. Die Fliegen schwirrten hektisch hin und her und verweigerten die Nahrungsaufnahme. Ein ähnlicher Effekt wurde auch bei Menschen beobachtet, bei denen Methamphetamin eine erhöhte physische Aktivität und verminderten Appetit erzeugen kann. Gleichzeitig konnte beobachtet werden, dass die körpereigenen Energiedepots der Fliegen innerhalb von 48 Stunden nach dem Konsum von Methamphetamin kontinuierlich entleert wurden. Es wird vermutet, dass der reduzierte Stoffwechsel eine Folge der verminderten Nahrungsaufnahme ist. Der Körper stellt sich um, weil er mit weniger Energie auskommen muss. Methamphetamin hat so zu einer negativen Energiebilanz geführt, der Organismus verbraucht mehr Energie als er aufnimmt. Das Insekt verhungert. Bei Fliegen, die zusätzlich Glucose bekamen, war die Entleerung der Energiedepots hingegen verlangsamt – mit dem Effekt, dass weniger Fliegen starben.

 

Fazit

Die durch Methamphetamin verursachte negative Energiebilanz wird bei den Fruchtfliegen nicht durch einen beschleunigten Stoffwechsel verursacht, sondern ist vor allem Folge eines Verhaltens, dass der Magersucht (Anorexie) bei Menschen ähnelt, so die Autoren. Dieser Effekt würde abgemildert werden, wenn stark kalorienreiche Nahrung aufgenommen wird. Dies kann auch erklären, warum Menschen, die Methamphetamin missbrauchen, häufig eine Vorliebe für stark gezuckerte Getränke entwickeln.

Die durch Methamphetamin verursachte negative Energiebilanz wird bei den Fruchtfliegen nicht durch einen beschleunigten Stoffwechsel verursacht, sondern ist vor allem Folge eines Verhaltens, dass der Magersucht (Anorexie) bei Menschen ähnelt, so die Autoren. Dieser Effekt würde abgemildert werden, wenn stark kalorienreiche Nahrung aufgenommen wird. Dies kann auch erklären, warum Menschen, die Methamphetamin missbrauchen, häufig eine Vorliebe für stark gezuckerte Getränke entwickeln.

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