• Schizophrenie

    Wissenschaftler suchen nun nach gemeinsamen „biologischen Wurzeln“ psychischer Erkrankungen.

     

Erforschung molekularer Ursachen psychischer Störungen

„Forschungsergebnisse zeigen, dass psychiatrische Erkrankungen zu 50 bis 80 Prozent auf genetischen Komponenten beruhen“, berichtet Professor Dr. Markus Nöthen, Direktor des Instituts für Humangenetik des Universitätsklinikums Bonn. Mit dem neuen Verbundprojekt IntegraMent (Integrated Understanding of Causes and Mechanisms in Mental Disorders) sollen basierend auf den Fortschritten der genetischen Forschung nach seinen Worten gezielt die molekularen Ursachen der psychiatrischen Erkrankungen erforscht werden. Die Forscher suchen laut Nöthen zunächst nach Genen, die an der Ausbildung der drei psychiatrischen Erkrankungen beteiligt sind, indem sie das Erbgut von Patienten mit einer repräsentativen Kontrollgruppe vergleichen.

 

Dabei konzentrieren sich die Wissenschaftler auf rund 250 Familien mit überproportional häufigem Auftreten der Erkrankungen. Außerdem sollen im Rahmen eines internationalen Forscherkonsortiums die Analysen von rund 80.000 weiteren Patienten Hinweise auf verdächtige Regionen im Erbgut von Patienten geben.

 

Ausgehend von den genetischen Befunden wird anschließend per Kernspintomographen die Hirnaktivität von Patienten und gesunden Probanden untersucht, um zu eruieren, ob bestimmte Gene oder Genkonstellationen die Signalübertragung im Gehirn beeinträchtigen. Ferner soll am Tiermodell analysiert werden, wie sich Kandidatengene für psychiatrische Erkrankungen auf biologische Prozesse auswirken. Auch sollen aus der Haut Stammzellen gewonnen und zu Nervenzellen umprogrammiert werden. „Anhand dieser so genannten iPS- Zellen lassen sich auch Wirkstoffe mit Blick auf neue Therapien testen“, erklärt Professor Dr. Oliver Brüstle, Direktor des Instituts für Rekonstruktive Neurobiologie am Universitätsklinikum Bonn und Leiter des Teilprojekts zu den Stammzellen.

 

Bei IntegraMent handelt es sich um das bislang umfangreichste Verbundprojekt dieser Art in Deutschland. Beteiligt sind neben der Universität Bonn das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, die Charité Universitätsmedizin Berlin, das Helmholtz Zentrum München, die Ludwig-Maximilians-Universität München, das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin, das Max-Planck-Institut für Psychiatrie München, die Universitäten Halle, Göttingen, Basel und Greifswald sowie das Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience Heidelberg-Mannheim.

 

Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt fünf Millionen Euro.