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    Kinder und Jugendliche mit ausgeprägtem Abendtyp entwickeln häufiger psychische Störungen als die Morgentypen.

     

In der Jugend „nachtaktive Eulen“ zeigen häufiger psychische Störungen

Der individuelle Schlaf- und Chronotyp zeigt sich meist schon im Kindes- und Jugendalter. Kinder und Jugendliche mit ausgeprägtem Abendtyp (nachtaktive Eulen) entwickeln dabei häufiger als die Morgentypen (frühaktive Lerchen) psychische Störungen, berichtete Professor Dr. Angelika Schlarb von der Universität Bielefeld bei der 22. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e.V. in Köln.

Vor allem Jugendliche reagieren nach Schlarb oftmals „abendorientiert“, sie sind oft spät abends noch hellwach und munter. Ursache ist die spätere Ausschüttung von Melatonin, wodurch die Jugendlichen erst später müde und schläfrig werden. Dieses Phänomen zeigt sich laut Schlarb insbesondere bei Jungen. Es bildet sich im Erwachsenenleben meist zurück zur ursprünglichen Tendenz: „Wer zuvor ein Morgentyp war, wird dies meist später auch wieder sein“, erklärte die Kinder- und Jugendpsychologin in Köln.

Doch die Zeit als „nachtaktive Eule“ birgt Risiken: Kinder und Jugendliche mit ausgeprägtem Abendtyp weisen oft eine geringere Stresstoleranz sowie eine höhere Reizbarkeit auf als ihre morgenorientierten Altersgenossen. Zudem sind die Schulleistungen meist schlechter als bei den Morgentypen. „Das überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass diese Kinder und Jugendlichen in der Regel später ins Bett gehen, jedoch am nächsten Morgen wieder früh aufstehen müssen, um in die Schule zu gehen“ erläuterte Schlarb. Das dadurch hervorgerufene „Social Jetlag“ bewirke bei vielen Betroffenen eine emotionale Instabilität und vermehrte emotionale Belastungen sowie schlechtere Konzentrations- und Schulleistungen.

Darüber hinaus „lungern“ Jugendliche mit ausgeprägter Abendorientierung nach Angaben der Schlafforscherin eher herum, rauchen und konsumieren häufiger Alkohol oder Drogen als diejenigen, die eine solche Orientierung nicht aufweisen. Jugendliche mit Schlafstörungen und einer starken Abendorientierung weisen zudem laut Schlarb deutlich häufiger psychische Störungen auf als Jugendliche, die nicht als „nachtaktive Eulen“ reagieren. Eine starke Abendorientierung in der Jugend kann somit möglicherweise ein Risikofaktor für die spätere Entwicklung psychischer Erkrankungen sein.

Die Abendorientierung kann auch auf das Vorliegen einer Schlafstörung hinweisen, die ihrerseits mit einem erhöhten Risiko für Verhaltensauffälligkeiten assoziiert ist. Einen Zusammenhang gibt es nach den Worten der psychologischen Psychotherapeutin Julia Grünwald von der Universität Tübingen auch zum ADHS. In einer Studie bei 2000 Studenten, die an einer Online-Befragung zu Schlaf, Aggression und psychischer Belastung teilnahmen, wurde nach ihren Aussagen der Zusammenhang zwischen Chronotyp, ADHS-Symptomatik, Aggression und Impulsivität untersucht. Es wurde dabei bestätigt, dass Studenten mit starker Abendorientierung auch eine erhöhte Neigung zu einer ADHS-Symptomatik aufweisen.

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