• Angstzustand

    Angststörungen stellen in Deutschland die häufigste psychische Erkrankung dar.

     

Neue S3-Leitlinie Angststörungen

Rund 15 Prozent der Bevölkerung erkranken in Deutschland jährlich an einer Angststörung, die damit die häufigste psychische Erkrankung darstellt. Behandlungsstandards festzuschreiben und die Versorgung der Patienten nachhaltig zu verbessern, ist Ziel der jetzt vorgelegten neuen S3-Leitlinie „Behandlung von Angststörungen“.

Die Leitlinie entstand in einem sechsjährigen Entwicklungsprozess, beteiligt waren insgesamt 20 Fachgesellschaften sowie Patientenvertreter und Selbsthilfeorganisationen. Erarbeitet wurden dezidierte Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie aller wichtigen Angsterkrankungen bei Erwachsenen, basierend auf den durch eine repräsentative Leitliniengruppe hinsichtlich ihrer Evidenz geprüften wissenschaftlichen Studien.

 

Die neue S3-Leitlinie richtet sich an alle Berufsgruppen, die Patienten mit Angststörungen behandeln. Dazu gehören insbesondere Hausärzte, Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie psychologische Psychotherapeuten. Sie soll durch die Entwicklung transparenter und nachvollziehbarer Standards die Erkennung und Behandlung von Angststörungen in den verschiedenen Versorgungsebenen verbessern. Denn trotz ihrer Häufigkeit werden Angststörungen heutzutage in knapp der Hälfte der Fälle nicht erkannt und infolgedessen nicht fachgerecht behandelt, so hieß es bei der Vorstellung der neuen Leitlinie im Rahmen einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin.

 

Im Hinblick auf die Psychotherapie empfiehlt die S3-Leitlinie bei allen Angststörungen die kognitive Verhaltenstherapie, deren Wirksamkeit in zahlreichen kontrollierten Studien nachgewiesen wurde. In den vergangenen Jahren gab es zudem zunehmend Studien, welche die Wirksamkeit psychodynamischer Therapien bei der Panikstörung, der generalisierten Angststörung und der sozialen Phobie belegen. „Wir empfehlen in der S3-Leitlinie eine psychodynamische Psychotherapie, wenn sich eine kognitive Verhaltenstherapie nicht als wirksam erwiesen hat, nicht verfügbar ist, oder wenn der informierte Patient diese wünscht“, erläutert dazu Professor Manfred E. Beutel, Mainz, als Mitglied der Leitungsgruppe. Als ergänzende Maßnahmen raten die Experten zur Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe und bei Panikstörungen außerdem zu sportlicher Aktivität und speziell zu einem Ausdauertraining.

 

Bei der pharmakologischen Therapie von Angststörungen sind laut Leitlinie im Allgemeinen Medikamente wie die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) und selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs) Mittel der Wahl. „In zweiter Linie können Mittel wie trizyklische Antidepressiva oder Pregabalin verordnet werden“, berichtet Professor Borwin Bandelow, Göttingen, ebenfalls Mitglied der Leitungsgruppe. Von der Anwendung der Benzodiazepine, die derzeit noch sehr häufig bei Angsterkrankungen verordnet werden, wird wegen der Möglichkeit einer Abhängigkeitsentwicklung abgeraten.

 

In Fällen, in denen eine Psychotherapie oder eine pharmakologische Behandlung nicht ausreichend wirksam ist, soll entsprechend der aktuellen Empfehlungen die jeweils andere Therapieform oder eine Kombination von Psychotherapie und Pharmakotherapie angeboten werden.

 

Die S3-Leitlinie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM), der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM), des Deutschen Fachverbands für Verhaltenstherapie (DVT), der Gesellschaft für Angstforschung (GAF), der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen (DAG SHG) sowie weiteren Fachgesellschaften, Patientenvertretern und Selbsthilfeorganisationen.

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