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    Ein Burnout geht tatsächlich mit einer eingeschränkten Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Leistungsbereitschaft einher.

     

Objektiv messbare Einschränkungen beim Burnout

Mittels objektiver Methoden der Reaktionszeitforschung haben Forscher des Leibniz-Institutes für Arbeitsforschung der TU Dortmund Marker für eine emotionale Erschöpfung beim Burnout untersucht. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass ein Burnout tatsächlich mit einer eingeschränkten Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Leistungsbereitschaft einhergeht.

Die Zahl der Menschen, die über eine erschöpfungsbedingt reduzierte Leistungsfähigkeit klagt, steigt stetig. Dabei bleibt oft unklar, inwieweit solche Selbsteinschätzungen eine objektivierbare Grundlage haben. Ein erster Schritt zur Objektivierung bietet der Burnout-Fragebogen der amerikanischen Psychologen Maslach und Jackson. Dabei werden anhand von 22 Antworten der Betroffenen drei Dimensionen des Burnout differenziert, wobei die emotionale Erschöpfung als zentrales Merkmal gilt, gefolgt von den Aspekten der Depersonalisierung und der reduzierten persönlichen Leistungsfähigkeit.

Allerdings bleibt der Fragebogen konzeptionell auf der Ebene von Selbstauskünften. Forscher der Arbeitsgruppe „Flexible Verhaltenssteuerung“ unter der Leitung von Thomas Kleinsorge wollen das Phänomen nun mit objektiven Methoden erfassen. Sie wollen prüfen, ob etablierte Aufgaben zur Analyse von kognitiven Funktionen als diagnostisches Instrument für den Burnout eingesetzt werden können.

Möglich ist dies den ersten Ergebnissen zufolge mit der „Constant Foreperiod Reaction Time Task“. Dabei wurden auf einem Bildschirm zwei verschiedene Reize mit unterschiedlicher Häufigkeit dargestellt. Die Reize wurden frühzeitig durch einen Ton angekündigt. Bei dem häufigen Reiz sollten die Probanden nichts unternehmen, bei dem seltenen Reiz sollten sie mit einer möglichst schnellen Tastenbetätigung reagieren. Die Probanden standen somit vor der Aufgabe, nach dem Ton stets von neuem eine möglichst hohe Reaktionsbereitschaft aufzubauen, andererseits aber auch häufig die Ausführung der vorbereiteten Reaktion wieder zu hemmen.

In der Untersuchung wurden mit Hilfe des Burnout-Fragebogens zwei Gruppen der Probanden differenziert, und zwar solche mit einer geringen und solche mit einer starken emotionalen Erschöpfung. Beide Gruppen zeigten vergleichbare Leistungen bei relativ kurzem Intervall zwischen Ton und Reiz. In solchen Fällen steigerte der Ton die Reaktionsbereitschaft und verringerte entsprechend die Reaktionszeit. War das Intervall zwischen Ton und Reiz länger, konnten die Probanden mit einer geringen emotionalen Erschöpfung ihre Reaktionsbereitschaft weitgehend aufrechterhalten. Den Probanden mit einer starken emotionalen Erschöpfung gelang dies nicht, bei ihnen sank die Reaktionsbereitschaft schrittweise mit der Länge des Intervalls und erreichte schließlich wieder den Wert für eine unvorbereitete Reaktion.

Probleme bei der Aufrechterhaltung der Reaktionsbereitschaft können somit als objektiver Marker für den Grad einer emotionalen Erschöpfung dienen, wie er für einen Burnout charakteristisch ist.

Literatur:
Kleinsorge et al., Applied Cognitive Psychology 2014; 28: 274-278

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