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    Rund neun Prozent aller Mädchen und drei Prozent aller Jungen werden Opfer sexuellen Missbrauchs.

     

Opfer schützen – Sexuellen Kindesmissbrauch verhindern

Netzwerk „Kein Täter werden“ stellt Ergebnisse vor

Sexueller Kindesmissbrauch ist nicht selten: Rund neun Prozent aller Mädchen und drei Prozent aller Jungen werden Opfer einer solchen Straftat. Rund ein Prozent aller Männer fühlen sich zu Kindern hingezogen. Um denjenigen therapeutisch helfen zu können, die befürchten, ihre sexuellen Fantasien nicht kontrollieren zu können, wurde im Jahr 2005 in Berlin das Therapieprojekt „Kein Täter werden“ gegründet, dem mittlerweile sieben weitere Ambulanzen in Deutschland angehören. Tausende Hilfesuchende haben sich bereits an das Netzwerk gewandt. Die aktuellen Ergebnisse des Projekts werden auf der Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie vorgestellt, die am 27. März 2014 in Berlin-Dahlem stattfindet.

 

Therapien für Verursacher sexueller Übergriffe auf Kinder gab es lange Zeit nur für justizbekannte Straftäter. Erst im Jahr 2005 rief das Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin das Projekt „Kein Täter werden“ ins Leben. Es wendet sich gezielt an Menschen mit auf Kinder gerichteten sexuellen Fantasien. Viele sexuelle Übergriffe auf Kinder werden von Menschen verübt, die eigentlich auf erwachsene Sexualpartner ausgerichtet sind. Vielen Pädophilen – also Menschen, die eine sexuelle Ansprechbarkeit für das kindliche Körperschema aufweisen – gelingt es, ihre sexuelle Neigung lebenslang nur in der Phantasie auszuleben. Dennoch ist Pädophilie eine der wichtigsten Ursachen für sexuellen Kindesmissbrauch und den Konsum von Missbrauchsabbildungen.

„Pädophilie ist nicht heilbar. Die sexuelle Präferenz für das kindliche Körperschema wird den meisten Betroffenen in der Pubertät deutlich und nach aktuellem sexualwissenschaftlichen Kenntnisstand ist von einer weitgehend lebenslangen Stabilität dieser sexuellen Neigung auszugehen. Unsere klinischen Erfahrungen bestätigen das auch," sagt Professor Dr. med. Dr. phil. Klaus Beier, der Leiter des Projekts und des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité in Berlin. "Die Neigung lässt sich also nicht wegtherapieren, aber sie ist behandelbar,“ so Professor Beier.
Durch eine Therapie könnten Pädophile lernen, ihr Verhalten zu kontrollieren und Strategien zum Vermeiden von Übergriffen zu befolgen. „Die Botschaft lautet: Du bist nicht schuld an deiner sexuellen Neigung, aber du bist verantwortlich für dein Verhalten. Es gibt Hilfe. Werde kein Täter!“, so Professor Beier. „Die grundlegende Annahme ist, dass unsere Therapien als primärpräventive Maßnahmen direkten Opferschutz darstellen.“ Dies habe bestätigt werden können. Missbrauchsbegünstigende Einstellungen und Verhaltensweisen könnten durch die Therapie – zum Teil mit medikamentöser Unterstützung – erheblich gesenkt und dadurch sexuelle Übergriffe verhindert werden.

Die Therapie findet wöchentlich in Gruppen und bei Bedarf auch in Einzelgesprächen oder mit Angehörigen statt. Außer in Berlin gibt es inzwischen auch in Kiel, Regensburg, Leipzig, Hannover, Hamburg, Stralsund und Gießen entsprechende Ambulanzen. Bis zum Ende des vergangenen Jahres haben sich dort mehr als 3200 Hilfesuchende gemeldet. Weitere Anlaufstellen sind geplant. „Ziel ist es, den Empfehlungen des „Runden Tischs Sexueller Kindesmissbrauch“ der Bundesregierung zu folgen und das Netzwerk bundesweit zur Prävention sexueller Traumatisierungen von Kindern und Jugendlichen zu etablieren“, sagt Beier. Wie es der Psychosomatischen Medizin und Sexualmedizin gelingen kann, potentielle Opfer sexuellen Missbrauchs zu schützen, diskutieren Experten bei der Pressekonferenz anlässlich des Psychosomatik-Kongresses am 27. März 2014 vom 12.45 Uhr bis 13.45 Uhr in Berlin-Dahlem.

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