• Partizipative Entscheidungsfindung

     

Partizipative Entscheidungsfindung (PEF) – Patient und Arzt als Team

Der Artikel gibt einen Überblick über das Konzept der Partizipativen Entscheidungsfindung (PEF), das von vielen Akteuren des Gesundheitssystems als besonders günstige Form der Arzt-Patient-Interaktion verstanden wird.

Der Begriff „Partizipative Entscheidungsfindung“ – PEF (englisch auch: „Shared Decision Making“ – SDM) steht für eine partnerschaftliche Entscheidungsfindung im medizinischen Kontext, die aus einem patientenzentrierten Ansatz heraus erwächst.

Definiert wird Partizipative Entscheidungsfindung (PEF) als „ein Interaktionsprozess mit dem Ziel, unter gleichberechtigter aktiver Beteiligung von Patient und Arzt auf Basis geteilter Information zu einer gemeinsam verantworteten Übereinkunft zu kommen.“

Die Partizipative Entscheidungsfindung wird mittlerweile von vielen Akteuren des Gesundheitssystems als besonders günstige Form der Arzt-Patient-Interaktion verstanden, da sie den mündigen, informierten Patienten in den Mittelpunkt des Handelns stellt. Patient und Arzt begegnen sich in diesem Modell als gleichberechtigte Partner. Im PEF-Modell finden sowohl mögliche Autonomiewünsche des Patienten als auch sein Bedarf nach Anlehnung und Anleitung durch den Arzt individuelle Berücksichtigung.

Als Voraussetzung für eine Partizipative Entscheidungsfindung in der Medizin gilt eine ethische Grundhaltung der Behandler, die ein Selbstbestimmungsrecht des Patienten als Wert an sich akzeptiert und eine Patientenzentrierung anstrebt.

PEF ist bei wichtigen Behandlungsentscheidungen relevant, aber auch andere Entscheidungen können partizipativ getroffen werden (z. B. Durchführung diagnostischer Tests oder Screeningmaßnahmen, Krankschreibung, Ort der Behandlung, Beendigung der Behandlung).

Während eine patientenzentrierte Herangehensweise in den psychosozialen Fächern der Medizin heute eher als Selbstverständlichkeit gilt, ist sie im somatischen Bereich der Medizin noch nicht flächendeckend angekommen. Insofern kann das PEF-Konzept auch als ein Vehikel begriffen werden, die Verbreitung einer patientenzentrierten Haltung in der somatischen Medizin zu fördern.

Der Bedarf für PEF

Wichtige Impulse hin zu einer Stärkung der Autonomie des Patienten ergeben sich einerseits aus der Tatsache, dass evidenzbasierte Therapieoptionen in den letzten Jahren durch den wissenschaftlichen Fortschritt in vielen Bereichen der Medizin rasant zunehmen. Dadurch bestehen zunehmend auch Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Behandlungsoptionen, die sich hinsichtlich Ergebnis, Risiken und Nutzen stark unterscheiden können. Relevant wird dies ganz besonders bei schwerwiegenden, potenziell lebensbedrohlichen Erkrankungen sowie bei chronisch-lebensbegleitenden Erkrankungen. Die Perspektive des Patienten, seine Vorstellungen und Werte, seine Risikobereitschaft, sein Sicherheitsbedürfnis sollten daher schon aus einer ethischen Haltung heraus Berücksichtigung finden. Andererseits können sich Patienten mittlerweile umfassender informieren, da Gesundheitsinformationen z. B. über das Internet zunehmend auch für medizinische Laien verfügbar sind. Das traditionelle Rollenverständnis zwischen Ärzten und ihren Patienten wird damit infrage gestellt und Behandler treffen zunehmend auf Patienten, die gut informiert sind und sich aktiv an Behandlungsentscheidungen beteiligen wollen.

Charakterisierung der PEF

Das Konzept der PEF fand zunächst im angloamerikanischen Sprachraum die größte Beachtung und wurde seit den 90er-Jahren in einigen konzeptionellen Veröffentlichungen dargelegt. Die Kanadierin Cathy Charles benannte in diesem Zusammenhang erstmals die vier Charakteristika der PEF:

  • Mindestens zwei Personen, der Arzt und der Patient, sind in den Entscheidungsprozess bzgl. einer Behandlung involviert
  • Sowohl der Arzt als auch der Patient teilen ihre Informationen miteinander
  • Arzt und Patient nehmen an dem Entscheidungsprozess teil, indem sie sich gegenseitig ihre Behandlungspräferenzen offen legen
  • Arzt und Patient treffen eine Behandlungsentscheidung und stimmen darin überein, diese Behandlung durchzuführen

Um die Besonderheiten des PEF-Modells würdigen zu können, ist es notwendig, es gegen andere mögliche Formen der Arzt-Patient-Interaktion abzugrenzen, was im folgenden Abschnitt erfolgt.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Partizipative Entscheidungsfindung (PEF) – Patient und Arzt als Team

Aus der Zeitschrift PPmP - Psychotherapie • Psychosomatik • Medizinische Psychologie 5/2016

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