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    Patienten mit bipolarer Störung sollen mit einem Smartphone und einer benutzerfreundlichen App ausgestattet werden, so dass der Arzt-Patienten-Kontakt möglichst nicht mehr abreißt.

     

Per Smartphone und App die Manie erkennen

In einem großangelegten Forschungsprojekt sollen die Bewegungsmuster und Aktivitäten von Menschen mit bipolarer Störung überwacht werden. Ziel dabei ist es, manische Phasen bereits frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Das Verfahren könnte auch bei anderen psychiatrischen Störungen hilfreich sein.

Durch die Bildung eines engen Netzwerks von neun Großforschungsverbünden soll eine weitere Verbesserung der krankheitsbezogenen Forschung und eine patientenorientiertere Diagnostik und Therapie psychischer Erkrankungen realisiert werden. Bei einem der neuen Projekte steht zunächst die bipolare Störung im Fokus. Dabei setzen die Wissenschaftler auf eine alltagstaugliche Kommunikation, erläutert Professor Dr. Michael Bauer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Dresden als Sprecher des bundesweiten Netzwerkes.

Bei dem Forschungsprojekt sollen Patienten mit bipolarer Störung mit einem Smartphone und einer benutzerfreundlichen App ausgestattet werden, so dass der Arzt-Patienten-Kontakt möglichst nicht mehr abreißt: „In ihrer manischen Phase sehen wir die Patienten derzeit erst, wenn alle Dämme gebrochen sind“, berichtet Bauer. In dieser Situation ist die Behandlung jedoch schwierig. Andererseits lassen sich mit den modernen Kommunikationsmöglichkeiten manische Phasen wahrscheinlich deutlich früher fassen: „Der Maniker ist praktisch permanent unterwegs. Im Extremfall schläft er nicht. Er fährt mit Tempo 200 über die Autobahn und verursacht schwere Unfälle, er ist hyperaktiv, glaubt, auf Dächern spazieren zu können, nimmt wahllos Kontakte auf und unterschätzt beispielsweise die Gefahr einer HIV-Infektion“, so Bauer. Geprüft werden soll nun, inwieweit diese Besonderheit durch die Erfassung der Aktivitätsmuster via Smartphone zu nutzen ist.

„Das Smartphone wird für die Studienzeit von uns bezahlt und darüber kann man – praktisch in Realtime – sehen, wie sich die Patienten bewegen, wie oft und wie lange sie telefonieren, wie viele SMS sie schreiben. Der Maniker verschickt durchaus 500 SMS am Tag“, so Bauer. Über die „technische Brücke“ soll nach seinen Angaben der Kontakt zum Patienten aufrechterhalten werden, um ein problematisches Verhalten früher zu erkennen und eine frühere therapeutische Intervention zu ermöglichen. Ein ähnliches Vorgehen kann laut Bauer möglicherweise auch bei der Depression zur Suizidprophylaxe genutzt werden.

Das „Forschungsnetz zu psychischen Erkrankungen“ hat deutschlandweit Knotenpunkte an 25 Universitäten und wird mit insgesamt 34 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Zwei Millionen Euro stehen für das Großprojekt am Universitätsklinikum Dresden zur Verfügung. Im Fokus stehen dabei neben Patienten mit bipolaren Störungen und Depressionen auch Patienten mit Angststörungen, Suchterkrankungen und Autismus.

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