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    Die Suche nach Bestätigung und Rückversicherung via Facebook korreliert mit geringem Selbstvertrauen und sagt das Gefühl voraus, nicht zugehörig und anderen eine Last zu sein.

     

Persönlichkeit – Welchen Einfluss hat die Nutzung sozialer Netzwerke?

Es ist strittig, ob soziale Netzwerke alle Nutzer in der Gestaltung ihrer interpersonellen Kontakte gleichermaßen unterstützen. Die amerikanischen Psychologen um E. M. Clerkin haben in einer Studie den Einfluss des Rückversicherungsverhaltens in sozialen Netzwerken auf das Selbstwertgefühl mithilfe einer Befragung unter Studierenden untersucht.
J Affect Disord 2013; 151: 525–530

Die Suche nach Bestätigung und Rückversicherung via Facebook korreliert mit geringem Selbstvertrauen und sagt das Gefühl voraus, nicht zugehörig und anderen eine Last zu sein. Zu diesem Ergebnis kommen die Forscher auf Basis einer Online-Befragung von 319 Studierenden. Die Probanden (72,7 % weiblich, 78,9 % kaukasisch, Alter 18,66 ± 1,46 Jahre) wurden im Abstand von durchschnittlich 24 Tagen befragt. Zum Einsatz kam die von der Mitautorin A. R. Smith entwickelte Facebook Reassurance Seeking Scale sowie etablierte Fragbögen, die zeitlich überdauerndes bzw. momentanes Selbstbewusstsein (Rosenberg Self Esteem Scale, State Self Esteem Scale) und Zugehörigkeitsgefühle sowie die Befürchtung, anderen eine Last zu sein (Interpersonal Needs Questionnaire) erfassen.

 

Rückversicherungsverhalten sagt Selbstwertgefühl voraus

Der Wunsch nach Rückversicherung ist dabei konzeptualisiert als das Ausmaß, in dem Nutzer Status-Updates mit der Hoffnung verbinden, Kommentare zu bekommen. Die Forscher konnten mithilfe hierarchischer Regressionsmodelle zeigen, dass das Ausmaß an Rückversicherungsverhalten bei Ersterhebung das Selbstwertgefühl der Probanden in der Verlaufsuntersuchung voraussagt (b = −0,10; p = 0,04; sr = −0,12). Auch mediiert verstärktes Rückversicherungsverhalten bei Facebook ein verringertes Zugehörigkeitsgefühl. Eingeschränktes Selbstvertrauen wiederum ist ein Mediator zwischen Rückversicherungsverhalten und dem Eindruck sozialer Isolation (kontrolliert für demografische Variablen und Rückversicherungsverhalten selbst; b = −1,28; p = 0,001; sr = −0,51). Ebenso zeigt sich geringes Selbstvertrauen als Mediator zwischen dem Wunsch nach Bestätigung auf Facebook und dem Eindruck, anderen zur Last zu fallen (b = 0,38; p = 0,01, sr = 0,16).

 

Valenz entscheidet über die interpersonelle Auswirkungen

Die Autoren folgern aus ihren für viele Faktoren kontrollierten Regressionsberechnungen, dass das in ihrem Sinn operationalisierte Rückversicherungsverhalten von Facebook-Nutzern ein geringes Selbstbewusstsein voraussagt. Nicht nur Häufigkeit und Dauer, mit der das Netzwerk genutzt wird, entscheide über interpersonelle Auswirkungen des Nutzungsverhaltens, sondern dessen Valenz. Kritisch merken sie an, dass anhand des aktuellen Studiendesigns der umgekehrte Zusammenhang (inwiefern ein erschüttertes Selbstvertrauen zum verstärkten Wunsch nach Rückversicherung in sozialen Netzwerken führt) nicht zweifelsfrei geklärt werden kann. Eine teufelskreisartige gegenseitige Verstärkung erscheine jedoch wahrscheinlich. Dadurch liefen selbstunsichere Individuen Gefahr, sich durch die virtuelle Vernetzung anderen nicht anzunähern, sondern Gefühle sozialer Isolation und die Befürchtung zu verstärken, anderen zur Last zu fallen.

 

Fazit

Der (verzweifelte) Wunsch nach Bestätigung eigener Äußerungen durch andere Nutzer auf Facebook schadet dem Selbstbewusstsein. Diese plausibel erscheinende Warnung gründen die Forscher auf eine erste Online-Verlaufsbefragung, deren Repräsentativität jedoch eingeschränkt ist und die ein bisher wenig etabliertes Erhebungsinstrument einsetzt. Mögliche psychische Nebenwirkungen der Social Media sollten in weiteren prospektiven Verlaufsuntersuchungen analysiert werden.

A. Zastrow

Aus der Zeitschrift: PPmP

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