• Postpartale Depression - Präventionsprogramm für jugendliche Erstgebärende

    Postpartale Depressionen gefährden sowohl die Mutter als auch das Kind in einer ohnehin schon fordernden Zeit. (Bild: PhotoDisc)

     

Postpartale Depression - Präventionsprogramm für jugendliche Erstgebärende

In den USA bekommen jährlich 400 000 Schwangere unter 20 Jahren ihr erstes Baby. 25-36 % dieser Frauen erkranken an einer postpartalen Depression - oft mit schweren Folgen für Mutter und Kind. Ein Interventionsprogramm kann die Erkrankungsrate jedoch deutlich senken, wie M. Phipps et al. nun herausgefunden haben.

Am J Obstet Gynecol 2013; 208: 192.e1-6

 

Psychother Psych Med 2013; 63 Postpartale Depressionen gefährden sowohl die Mutter als auch das Kind in einer ohnehin schon fordernden Zeit (Bild: PhotoDisc). An ihrer Studie nahmen 106 Erstgebärende im Alter von maximal 17 Jahren teil. 54 Teilnehmerinnen wurden randomisiert dem Interventionsprogramm zugeordnet, 52 Schwangere einem Kontrollprogramm; beide Programme bestanden aus 5 Sitzungen. Sechs Wochen sowie 3 und 6 Monate nach der Geburt führten die Wissenschaftler Interviews mit den jungen Müttern durch.

Das Interventionsprogramm basierte auf der interpersonalen Psychotherapie (IPT) und bestand aus mehreren Bausteinen: Entspannung, Ermutigung, Wertschätzung, Kommunikation, Hilfsbereitschaft ("Relaxation, Encouragement, Appreciation, Communication and Helpfulness" [REACH]). Die Schwangeren wurden in effektiver Kommunikation geschult. Sie lernten, wie man einen Babyblues von einer postpartalen Depression unterscheidet, wie man sich Unterstützung sucht, wo die eigenen Ressourcen liegen und wie man gesunde Beziehungen aufbaut. Ebenso reflektierten sie ihre Vorstellungen über die Mutterrolle. Sowohl Videoaufnahmen als auch Rollenspiele und Hausaufgaben mit Feedback rundeten das Programm ab.

 

Postpartale Depressionen äußern sich oft erst spät

Keine der Teilnehmerinnen hatte zu Studienbeginn eine Depression. Auch direkt nach der Entbindung war bei keiner eine Depression festzustellen. Sechs Monate nach der Entbindung litten jedoch 25 % der Mütter aus der Kontrollgruppe, aber nur 12,5 % aus der Interventionsgruppe an einer postpartalen Depression. Obwohl nach DSM-IV die postpartale Depression innerhalb von 4 Wochen nach der Entbindung einsetzt, haben mehrere Forschungsarbeiten gezeigt, dass innerhalb von 2-6 Monaten nach der Entbindung mit einer Depression gerechnet werden könne, argumentieren die Autoren. Das Interventionsprogramm verringerte die Gefahr der postpartalen Depression deutlich (Hazard Ratio 0,44, p = 0,1).

 

Fazit

Mithilfe des auf interpersonaler Psychotherapie basierenden Programms "REACH" lässt sich einer postpartalen Depression bei jugendlichen Erstgebärenden vorbeugen, so die Autoren. Während von 52 Schwangeren eines Kontrollprogramms 25 % an einer postpartalen Depression erkrankten, war dies nur bei 12,5 % der Interventionsgruppe der Fall.

 

Dr. D. Voos, Pulheim

Aus der Zeitschrift PPmP 2013; 8: 301