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Posttraumatische Reifung nach berufsbezogener Traumatisierung bei Einsatzkräften

Die vermittelnde Rolle der sozio-interpersonellen Faktoren Disclosure und Co-Rumination. Einsatzkräfte des medizinischen Rettungsdienstes und der Berufsfeuerwehr sind häufig intensiv mit Details von traumatischen Erlebnissen anderer konfrontiert. Dies kann zur Entwicklung einer sekundären Traumatisierung führen, die mit einer der primären Traumatisierung ähnelnden Symptomatik einhergeht.

Die Arbeit von Einsatzkräften des medizinischen Rettungsdienstes und der Berufsfeuerwehr ist nicht nur mit dem Erleben von Situationen mit schwer verunglückten oder sterbenden Opfern, sondern auch mit emotional bewegendem Kontakt mit Betroffenen und Angehörigen verbunden. Derartige Erfahrungen können zur Entwicklung einer sekundären Traumatisierung führen. Eine sekundäre Traumatisierung ist dadurch gekennzeichnet, dass sie ohne direkte sensorische Eindrücke des Ausgangstraumas durch wiederholte oder extreme Konfrontation mit aversiven Details des traumatischen Ereignisses, und häufig in zeitlicher Distanz zum Ausgangstrauma, entsteht. Die Symptomatik zeichnet sich durch Vermeidungsverhalten, Intrusionen und ein erhöhtes Erregungsniveau aus und überlappt stark mit klassischen Posttraumatischen Symptomen. Dieser Überlappung wird in der Traumadefinition des DSM-5 Rechnung getragen, in welchem mittlerweile auch das indirekte wiederholte oder extreme Ausgesetztsein zu Details eines traumatischen Ereignisses unter das Traumakriterium fällt. Da nahezu alle Angehörigen der Berufsfeuerwehr und des medizinischen Rettungsdienstes unmittelbar nach traumatischen Ereignissen mit den primären Opfern in Kontakt kommen, oder mit aversiven Details traumatischer Ereignisse anderer konfrontiert werden, gelten sie als Hochrisikopopulation für eine sekundäre Traumatisierung.

Andererseits sehen einige der Einsatzkräfte in ihrem Routinedienst auch eine Quelle für positive persönliche Veränderungen. Von neuen positiven Selbsterkenntnissen bei Einsatzkräften nach berufsbezogenen Stresserlebnissen berichteten bspw. Ortlepp und Friedmann. Linley und Joseph zeigen in einer Metaanalyse, die 39 empirischen Studien umfasst, einen stabilen Befund hinsichtlich positiver Veränderungen nach verschiedenen Stresssituationen. Das hinter solchen Veränderungen stehende Konzept wird als „posttraumatisches Wachstum“ (engl. posttraumatic growth) bzw. „posttraumatische Reifung“ bezeichnet. Posttraumatische Reifung umfasst das subjektive Erleben von Veränderungen in 5 Bereichen: Intensivierung der Wertschätzung des Lebens, Entdeckung neuer Möglichkeiten, Intensivierung des Bewusstwerdens der eigenen Stärke, stärkeres Glauben und Intensivierung von persönlichen Beziehungen. Diese Reifungsprozesse setzen per definitionem das Erleben stressbezogener oder traumatischer Ereignisse voraus, welche die Grundüberzeugungen einer Person erschüttern. Wie sich die Richtung und die Stärke des Zusammenhangs zwischen PTBS-Symptomatik und anschließender posttraumatischer Reifung abbilden lässt, ist jedoch nicht gänzlich geklärt. Konzeptionell sind die beiden Konstrukte klar zu unterscheiden. Empirisch konnten immer wieder positive lineare Zusammenhänge zwischen der Ausprägung von PTBS-Symptomatik nach Rettungs-Einsätzen, Tsunami – Flut, Verkehrsunfällen oder Traumata im Rahmen des Holocaust und einer anschließenden posttraumatischen Reifung gefunden werden. Darüber hinaus zeigt eine Meta-Analyse, die 87 Querschnittstudien einschloss, dass mit erhöhten PTBS-Symptomen, wie Intrusionen und Vermeidungsverhalten, auch höhere Werte an posttraumatischer Reifung einhergehen; gleichzeitig zeigte sich posttraumatisches Wachstum als negativ assoziiert mit depressiven Symptomen, während Angst, globaler Disstress und körperliche Gesundheit keine Zusammenhänge aufwiesen. Auch längsschnittlich konnten positive Korrelationen zwischen der PTBS Symptomatik und der Ausprägung posttraumatischer Reifung nachgewiesen werden. Hierbei zeigen sich jedoch neben linearen als auch kurviliniare Zusammenhänge zwischen posttraumatischer Symptomatik und Reifung. Die kurviliniaren Zusammenhänge im Sinne einer U-Kurve legen nahe, dass bei mittlerer posttraumatischer Symptomatik am ehesten posttraumatische Reifung auftritt, und wurden auch in anderen Studien berichtet.

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Aus der Zeitschrift PPmP – Psychotherapie-Psychosomatik-Medizinische Psychologie 05/2017
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