• Psychisch krank als Leistungssportler?

    Psychische Erkrankungen treten bei Leistungssportlern ebenso häufig auf wie in der Allgemeinbevölkerung, werden jedoch kaum thematisiert.

     

Psychisch krank als Leistungssportler?

Psychische Erkrankungen treten bei Leistungssportlern ebenso häufig auf wie in der Allgemeinbevölkerung, werden jedoch kaum thematisiert. Denn Depressionen und Angststörungen passen nicht in das Bild des souveränen und leistungsorientierten Athleten. Die Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) hat deshalb ein Positionspapier erarbeitet, um durch eine gezielte Information ein breiteres Verständnis für die Problematik zu erwirken und die Forschung und spezialisierte Versorgung der Betroffenen zu fördern.

 

Denn bislang zielt die sportpsychologische Unterstützung in erster Linie auf die Leistungsoptimierung ab, kritisiert der DGPPN. Bei der Versorgung von psychischen Erkrankungen aber fehlt es an den notwendigen Angeboten. „Bei Leistungssportlern ist die Diagnostik, Betreuung und Therapie von psychischen Erkrankungen dringend verbesserungsdürftig“, moniert DGPPN-Vorstandsmitglied Prof. Frank Schneider.

 

Das medizinische System ist nach seiner Darstellung auf die Behandlung von Kreuzbandriss, Ermüdungsbruch oder Meniskusschaden bei Sportlern bestens vorbereitet und die Sportler werden auch vorbeugend betreut. Anders die Situation im Bereich der psychischen Gesundheit: Dabei stehen Profisportler oft unter enormen Leistungsdruck, sportliche Niederlagen ziehen oft existenzielle Ängste nach sich und viele Sportler beginnen mit dem intensiven und systematischen Training bereits in einem Alter, in dem sie besonders anfällig für psychische Störungen sind. Sie leben häufig in einem kompetitiven Umfeld und erleben ihre gleichaltrigen Bezugspersonen als Konkurrenten. Dies fördert das Gefühl von Isolation und Abhängigkeit, nicht nur im Fall eines Misserfolgs. Trotzdem sind psychische Erkrankungen in diesem leistungsorientierten Umfeld nach wie vor mit einem erheblichen Stigma belegt und es fällt Leistungssportlern besonders schwer, psychiatrische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

 

Das DGPPN-Referat „Sportpsychiatrie und -psychotherapie“ will deshalb mit den etablierten acht sportpsychiatrischen Ambulanzen an Universitätskliniken eine gezielte Information der Öffentlichkeit erreichen und spezialisierte Behandlungsangebote etablieren.