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Psychisch krank durch den Job?

Vor allem Beschäftigte im Dienstleistungsbereich, in der Mehrzahl Frauen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, als Folge ihrer beruflichen Belastung psychische Störungen zu entwickeln, so das Ergebnis des Forschungsprojekts PsychGeA.

Die Arbeitsstrukturen haben sich in den vergangenen 20 Jahren rasant gewandelt. Doch das Arbeitsschutzgesetz orientiert sich weiterhin an den wie früher üblich fest angestellten Vollzeitbeschäftigten. Dabei gehört befristete Arbeit heutzutage ebenso zur Arbeitswelt wie etwa eine Teilzeit- oder geringfügige Beschäftigung sowie Zeitarbeit. Zudem ist die Mehrzahl der Beschäftigten nicht mehr in der Produktion, sondern im Dienstleistungssektor tätig.
„Wir erleben erhebliche Umbrüche in der Arbeitswelt, die nicht spurlos an den Arbeitnehmern vorbeigehen“, erklärte Professor Dr. Frauke Koppelin, Studiengangsleiterin Master Public Health von der Jade Hochschule anlässlich der Tagung „Psychische Belastungen in der Arbeitswelt – Ansätze zur Primärprävention“ der Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth.

Dabei kommen vielfältige Faktoren zusammen. Genannt wurden beispielsweise die Ausweitung und Durchdringung der Arbeitswelt mit moderner Kommunikationstechnologie, die hohe Flexibilisierung, die Entgrenzung der Arbeit, die zunehmende Verantwortung für den Einzelnen, eine deutliche Beschleunigung der Arbeitsprozesse, vermehrte Lernanforderungen und neue Arbeitsformen verbunden mit beruflicher Unsicherheit. Es ist laut Koppelin daher kein Wunder, wenn 50 Prozent der Beschäftigten über Termin- und Leistungsdruck klagen.

Die Wissenschaftlerin stellte bei der Tagung erste Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt PsychGeA, das durch die VW-Vorab-Stiftung gefördert wird, vor. Basierend auf Daten einer großen Krankenkasse zu psychischen Erkrankungen wurde ermittelt, dass insbesondere Beschäftigte im Dienstleistungsbereich deutlich stärker betroffen sind als Beschäftigte anderer Arbeitsbereiche wie etwa der Produktion. Außerdem sind die Erkrankten der Erhebung zufolge vergleichsweise jung, was unter anderem durch die hohen psychischen Anforderungen an den Berufseinstieg und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bedingt sein kann. Mit dem Einstieg ins Rentenalter nimmt die Wahrscheinlichkeit, eine psychische Erkrankung zu entwickeln, hingegen wieder ab.

„Obwohl das Arbeitsschutzgesetz auf Veränderungen in der Arbeitswelt reagieren soll und Betriebsräte weitreichende Mitbestimmungsrechte besitzen, mangelt es an präventivem Arbeitsschutz“, erklärte dazu Dr. Elke Ahlers von der Hans Böckler-Stiftung Düsseldorf. „Der Arbeitsschutz ist sicherheitsgerecht, aber nicht ausreichend menschengerecht. Gefährdungsbeurteilungen zur Erfassung psychischer Belastungen gibt es nur selten, obwohl das Gesetz sie vorsieht“, merkte Ahlers weiter an.

Mangelndes Know how, unklare Verantwortlichkeiten, mangelnder Nutzen und zu hoher Aufwand werden hierfür verantwortlich gemacht, wie eine Befragung von Betriebsräten zeigt. Ahlers nannte darüber hinaus die schwache Arbeitsschutzaufsicht, die extremen Sparzwängen unterliegt, und ein gewisses Obrigkeitsdenken seitens der Beschäftigten sowie die generell geringe Akzeptanz der Betriebe, sich auf das Thema einzulassen.

Dabei verursachen psychische Erkrankungen erhebliche Kosten und rangieren in dieser Hinsicht auf Platz drei hinter Muskel- und Gelenk- sowie Herz-Kreislauferkrankungen. Dr. Karina Becker von der Universität Jena erinnerte in diesem Zusammenhang allerdings an eine EU-Rahmenrichtlinie, wonach „die Gesunderhaltung nicht wirtschaftlichen Überlegungen untergeordnet werden darf.“ Gleichwohl würden Kosten, Risiken und Verantwortung zunehmend auf Arbeitnehmer übertragen. Die Einflüsse durch veränderte Arbeitsprozesse und die gleichzeitigen Abstriche bei der Qualität der Arbeit sind laut Becker für immer mehr Beschäftigte eine erhebliche psychische Belastung. Ihr Anspruch, ganzheitlich zu arbeiten, bliebe zunehmend auf der Strecke, was sich unter anderem stark im Bereich der Pflege bemerkbar mache. „Tatsächlich kommt es auf die Balance zwischen Verausgabung und Belohnung an“, machte Becker klar.

Quelle: Pressemitteilung der Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth

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