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Psychische Erkrankungen im Arbeitskontext – eine Verortung im Versorgungssystem

Arbeit und psychische Gesundheit stehen in einer engen wechselseitigen Beziehung zueinander. Bei einem negativen Einfluss ist dann häufig von Burnout die Rede. Die Symptomatik kann jedoch vielfältig sein, ebenso wie der Grad des Arbeitsbezuges. Dieser Beitrag beschreibt die Hintergründe, gibt Orientierung bei begrifflichen und diagnostischen Einordnungen und informiert über therapeutische Konzepte und Handlungsempfehlungen.

Hintergrund

Berufsbedingte psychosoziale Stressoren und negative Arbeitsbedingungen können durch chronische Belastung zu psychischen und psychosomatischen Erkrankungen führen. Mit einer weltweit geschätzten 12-Monats-Prävalenz von ca. 20% sind dabei insbesondere die sogenannten Common Mental Disorders (CMDs) von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung.

MERKE: Seit Jahren nimmt der Anteil psychischer Erkrankungen als Ursache für Arbeitsunfähigkeit (AU) zu, ebenso steigt die AU-Dauer.

2016 entfielen mehr als 6% der AU-Fälle auf psychische Erkrankungen, die durchschnittliche AU-Dauer lag bei ca. 34 Tagen. Die Gesamtkosten durch arbeitsplatzbezogene, psychische Erkrankungen wurden in Europa zuletzt auf 3,5% des Bruttoinlandprodukts geschätzt. Dabei spielt neben dem dargestellten Absentismus bei AU auch Präsentismus eine Rolle, also die Anwesenheit am Arbeitsplatz trotz Erkrankung. Dieses Phänomen erzeugt durch eine geringere Arbeitsleistung ebenfalls erhebliche Arbeitsplatzkosten.

Von psychotherapeutischer Seite wird die Wechselwirkung von Arbeit und Psyche häufig kaum beachtet, obwohl Arbeit – als wichtigem Bestandteil des Lebens – oft eine große Bedeutung zukommt. Die Berufstätigkeit sollte als relevante soziale Determinante von Gesundheit und Krankheit berücksichtigt werden. Häufig fehlt jedoch eine frühzeitige, routinemäßige Integration von Arbeit in den psychotherapeutischen Behandlungsprozess.

Eine Beschäftigung mit psychischen Erkrankungen im Arbeitskontext erscheint vor diesen Hintergründen relevant. Der folgende Beitrag soll

einen Überblick über Entstehung, Symptomatik und diagnostische Klassifikation arbeitsbezogener psychischer Erkrankungen sowie des Burnout-Begriffs geben,

eine Einteilung zur Darstellung des Arbeitsbezugs psychischer Erkrankungen und entsprechende Interventionsmodelle vorstellen sowie

den aktuellen Stand arbeitsbezogener Psychotherapie, auch im internationalen Vergleich, darstellen.

Arbeitsstressmodelle

Arbeit kann, wenn sie menschengerecht und fair gestaltet ist, zur Förderung und Aufrechterhaltung der Gesundheit beitragen. Jedoch gibt es auch Arbeitsbedingungen, die negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Arbeitnehmenden haben können. Hierzu zählen eine hohe, häufig unrealistische Ergebnisorientierung, Verdichtung der Arbeitsaufgaben und ein damit verbundener hoher Zeitdruck. Auch werden in diesem Zusammenhang eine mit der Digitalisierung einhergehende Entgrenzung der Arbeitszeiten und permanente Erreichbarkeitserwartung sowie zunehmende Wochenarbeitszeiten genannt.

HINTERGRUND
EVIDENZBASIERTE MODELLE:
Folgende evidenzbasierte Modelle beschreiben den Zusammenhang zwischen Arbeit und psychischer Gesundheit:

  • Modell beruflicher Gratifikationskrisen
  • Anforderungs-Kontroll-Modell
  • Modell der Organisationalen Gerechtigkeit

Modell beruflicher Gratifikationskrisen
Dieses Konstrukt nimmt an, dass ein Ungleichgewicht zwischen beruflicher Verausgabung und sozial vermittelten Belohnungen mit einer Stressreaktion einhergeht. Diese kann bei Langanhalten zu sogenannten Gratifikationskrisen führen. Hierbei wird von einer systematischen Wechselwirkung zwischen Organismus, persönlichem Erleben und sozialen Chancenstrukturen ausgegangen.

Anforderungs-Kontroll-Modell
Dieses Modell betrachtet die Auswirkungen von beruflichen Anforderungen (psychischen Belastungen) und Kontrolle (Entscheidungsspielraum) auf die individuelle Gesundheit. Demnach können psychische Belastungen, die aus Zeitdruck, hoher Arbeitsmenge oder widersprüchlichen Anforderungen hervorgehen, die Gesundheit negativ beeinflussen – insbesondere bei einem geringen Entscheidungsspielraum. Demgegenüber kann ein hoher Entscheidungsspielraum gesundheitsförderliche Aspekte wie eine aktive Freizeitgestaltung fördern. Hohe Selbstwirksamkeitsüberzeugungen und aktive Problemlösestrategien können diesen Effekt zusätzlich stärken. Ebenso kann eine Erhöhung der Anforderungen bei hohem Entscheidungsspielraum aktivierend wirken.

Modell der Organisationalen Gerechtigkeit
Es beruht auf der Annahme, dass der Grad der wahrgenommenen Gerechtigkeit über Reaktionen im generellen Affekt und im Verhalten entscheidet. Dabei werden distributive, prozedurale und interaktionale Gerechtigkeit unterschieden; entsprechend können verschiedene Faktoren Einfluss auf Reaktionen wie chronischen Stress nehmen.

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier Psychische Erkrankungen im Arbeitskontext – eine Verortung im Versorgungssystem

Aus der Zeitschrift PSYCH up2date 06/2019

 

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