• Neues aus der Epileptologie

    Besonders Frauen mit Epilepsie während einer Schwangerschaft leiden häufiger als gesunde Schwangere an Depressionen.

     

Psychische Störungen bei der Epilepsie oft unbehandelt

Ein hoher Anteil der Menschen mit Epilepsie leidet unter psychischen Begleiterkrankungen wie Angstzuständen oder Depressionen. Diese werden aber oft nicht adäquat behandelt, hieß es beim „Joint Congress of European Neurology“ in Istanbul.

Vor allem junge Männer mit Epilepsie, deren Grunderkrankung nicht adäquat therapiert ist, entwickeln überproportional häufig Depressionen. Das belegt eine norwegische Studie, in der in einer Kohorte von 71.000 Männern 650 Patienten mit Epilepsie identifiziert wurden. Nur 36,9 Prozent der Männer wurde mit Antiepileptika behandelt, die übrigen Patienten waren unbehandelt, berichtet Professor Dr. Nils Erik Gilhus aus Bergen.

 

Die unbehandelten Epileptiker zeigten eine ausgesprochen hohe psychiatrische Komorbidität: Sie wiesen mit 3,9 Prozent versus 2,5 Prozent deutlich häufiger Depressionen auf als gleichaltrige gesunde Männer. Bei allen psychiatrischen Störungen schnitten zudem unbehandelte Epileptiker der Studie zufolge schlechter ab als Patienten mit adäquater Therapie: So war die Häufigkeit von Angststörungen mit 7,0 gegenüber 4,6 Prozent eindeutig höher. Es waren zudem überproportional oft Aufmerksamkeitsstörungen (3,4 versus 0,4 Prozent), bipolare Störungen (2,2 versus 0,3 Prozent) und unspezifische psychiatrische Störungen (5,6 Prozent versus 2,3 Prozent) zu diagnostizieren. Die nicht adäquat therapierten Epileptiker zeigten außerdem häufiger ein schlechtes Selbstwertgefühl (2,5 versus 1,3 Prozent) und es kam bei ihnen mehr als doppelt so häufig (3,3 versus 1,5 Prozent) zu Gewaltepisoden.

 

Eine zweite in Istanbul präsentierte norwegische Studie dokumentiert, dass auch Frauen mit Epilepsie während einer Schwangerschaft häufiger als gesunde Schwangere an Depressionen leiden, allerdings ebenfalls nicht adäquat behandelt werden. In der Kohortenstudie wurden mehr als 100.000 Frauen, die in der 18. Woche schwanger waren, erfasst. 713 von ihnen litten an Epilepsie, wobei bei diesen Frauen die Depressions-Prävalenz mit 14,1 Prozent deutlich höher war als in der Referenzgruppe (9,1 Prozent). „Nur knapp sieben Prozent der betroffenen Frauen mit Epilepsie wurden jedoch mit Antidepressiva behandelt“, so Gilhus. Frauen, die nicht an Epilepsie litten, erhielten dagegen mehr als doppelt so häufig eine entsprechende Medikation.

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