• Unzufriedenheit

    Menschen mit psychischer Erkrankung sind in ihrer Lebenszufriedenheit stärker beeinträchtigt als Menschen mit körperlichen Gebrechen.

     

Psychische Störungen mindern die Lebenszufriedenheit stärker als körperliche Erkrankungen

Menschen mit psychischer Erkrankung sind in ihrer Lebenszufriedenheit weitaus stärker beeinträchtigt als Menschen mit körperlichen Gebrechen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Arbeitsgruppe um Richard Layard, „Center for Economic Performance” in London, die für den „World Happiness Report“ erstellt und jetzt als 600. SOEPpaper (Sozio-oekonomisches Panel) veröffentlicht wurde.

 

Das Paper stellt klar, dass die mentale Gesundheit der stärkste singuläre Prädiktor für die Lebenszufriedenheit ist. Nach Erhebungen in Deutschland, Großbritannien und Australien wirken sich psychische Störungen nicht nur weit stärker auf die Zufriedenheit aus als körperliche Erkrankungen sondern auch stärker als das Einkommen und eine etwaige Arbeitslosigkeit. Das Ergebnis basiert auf drei Erhebungen in den genannten Ländern, in denen die befragten Probanden anhand einer Skala von null bis zehn angeben sollten, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind.

 

Als häufigste psychische Störungen nennt der Bericht Depressionen und Angsterkrankungen, betroffen sind weltweit rund zehn Prozent der Bevölkerung, wobei die Prävalenz in den reichen und armen Nationen vergleichbar ist. Beide Krankheitsbilder betreffen sehr oft Menschen im mittleren Lebensalter und sind zwangsläufig ein häufiger Grund für eine Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit. Sie zeichnen damit auch für einen erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden verantwortlich. Dennoch befinden sich selbst in reichen Ländern weniger als ein Drittel der Betroffenen in therapeutischer Behandlung.

 

Obwohl Depressionen und Angststörungen heutzutage gut behandelt werden können, werden in den meisten Ländern kaum mehr als 15 Prozent des Gesundheitsetats auf die Diagnostik und Therapie psychischer Erkrankungen aufgewandt, so heißt es weiter. „Das ist diskriminierend für psychisch Erkrankte im Vergleich zu körperlich Erkrankten und zudem auch wirtschaftlich unvernünftig“, schreiben der Ökonom Layard und seine Kollegen. Würden mehr psychisch Kranke adäquat behandelt, so könnten aus ihrer Sicht die volkswirtschaftlichen Belastungen reduziert und zudem erhebliche Sozialausgaben eingespart werden.

 

Beim Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) handelt es sich um eine große multidisziplinäre Langzeitstudie, die am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin angesiedelt ist und unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) von Bund und Ländern gefördert wird. Seit 1984 werden für das SOEP jedes Jahr mehrere Tausend Menschen durch das Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung befragt. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Unter <www.diw.de/soeppapers> stehen alle SOEPpapers zum kostenlosen Download bereit.