• © M. Schuppich - Fotolia.com

    Laut einem aktuellen Report entfielen 2014 knapp 17 Prozent aller Ausfalltage bei Arbeitnehmern auf Depressionen, Angststörungen und andere psychische Leiden.

     

Psychische Störungen sind zweithäufigste Ursache für Fehltage

Psychische Erkrankungen verursachen in Deutschland bei Arbeitnehmern immer mehr Fehltage. Darauf haben die DAK-Gesundheit und die Techniker Krankenkasse in einem aktuellen Report hingewiesen. Demnach entfielen 2014 knapp 17 Prozent aller Ausfalltage bei Arbeitnehmern auf Depressionen, Angststörungen und andere psychische Leiden.

Psychische Erkrankungen sind entsprechend den aktuellen Daten damit mittlerweile der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen. Dazu erklärt Dr. Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN): „Die aktuellen Reports machen deutlich, dass psychische Erkrankungen zu den gravierendsten Gesundheitsproblemen in Deutschland gehören. Sie müssen deshalb noch stärker als bisher in den Fokus von Gesundheitspolitik und Selbstverwaltung rücken“.

Unverzichtbar ist nach Hauth die Entwicklung und Implementierung von sektorenübergreifenden und strukturierten Versorgungsansätzen. Prävention, Behandlung und Rehabilitation müssen ambulant und stationär so ineinandergreifen, dass psychisch erkrankte Menschen frühzeitig ausreichend behandelt werden und ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gesichert werden kann. Nur so lassen sich nach Angaben der DGPPN-Präsidentin langfristig die enormen Krankheitskosten reduzieren.

Ein besonderes Augenmerk müsse dabei auf den Depressionen liegen, heißt es in einer Mitteilung der Gesellschaft. Denn diese haben entsprechend den aktuellen Hochrechnungen im Jahr 2013 bundesweit mehr als 31 Millionen Fehltage verursacht. Trotzdem zeigen sich bei der Behandlung von Depressionen alarmierende Versorgungsdefizite und große regionale Unterschiede. Drei von vier Patienten mit schweren Depressionen erhalten laut DGPPN keine den aktuellen Behandlungsleitlinien entsprechende Therapie. Oftmals verlaufe hingegen die Behandlung zu einseitig und entspreche nicht der empfohlenen Kombination aus Antidepressiva und Psychotherapie. Die Behandlung von Depressionen müsse sich deshalb stärker an der Nationalen Leitlinie ‚Unipolare Depression‘ ausrichten, die auf wissenschaftlicher Evidenz basiere und den gegenwärtigen Stand des medizinischen Fortschritts berücksichtige.

Angesichts der hohen Relevanz für die Gesundheit in der Bevölkerung forderte die Gesellschaft zudem ein nationales Disease-Management-Programm (DMP), wie es der aktuelle Entwurf des Versorgungstärkungsgesetzes vorsieht. „Jeder depressiv erkrankte Mensch, der Zugang zum Gesundheitssystem hat, muss überall in Deutschland sicher sein können, dass seine Erkrankung richtig erkannt und behandelt wird“, so Hauth. „Die von der DGPPN vorgeschlagene Akutsprechstunde für psychische Erkrankungen könnte dabei zu einer entscheidenden Verbesserung in der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Fachärzten und Psychotherapeuten beitragen.“

Titel zum Thema

Psychiatrie und Psychotherapie compact
Siegfried Kasper, Hans-Peter Volz, Bernhard Blanz, John Peter Doerr, Martina de ZwaanPsychiatrie und Psychotherapie compact

Das gesamte Facharztwissen

EUR [D] 44,99Zum Warenkorb hinzufügenInkl. gesetzl. MwSt.