• Abstinenz nach der Geburt - Postpartale Sexualität

    Verschiedene Felder psychosomatischer Forschung zum Verlauf und den Folgen ungewollter Kinderlosigkeit und reproduktionsmedizinischer Behandlungsmaßnahmen werden dargestellt und beispielhafte Studien beschrieben.

     

Psychologische Beratung und Psychotherapie bei ungewollter Kinderlosigkeit

Lernziele

In dem Beitrag wird kritisch die Schätzung der Häufigkeit ungewollter (und gewollter) Kinderlosigkeit diskutiert. Verschiedene Felder psychosomatischer Forschung zum Verlauf und den Folgen ungewollter Kinderlosigkeit und reproduktionsmedizinischer Behandlungsmaßnahmen werden dargestellt und beispielhafte Studien beschrieben. Die Indikation und die Ziele psychosozialer Hilfen und deren Effektivität bilden einen weiteren Schwerpunkt des Beitrags.

 

Epidemiologie von Kinderlosigkeit

Die Zahlen zur ungewollten Kinderlosigkeit werden in amtlichen Statistiken und in der entsprechenden Fachliteratur sehr different angegeben. Grund hierfür ist die Bezugnahme auf verschiedene Datensätze. Lange wurde in statistischen Aufstellungen impliziert, dass die Daten des Statistischen Bundesamtes, aus dem Mikrozensus, dem Sozioökonomischen Panel etc. über alle demografischen Entwicklungen in Deutschland genaue Auskünfte ermöglichen. Dabei war jedoch vor allem die genaue Zahl der kinderlosen Männer und Frauen in Deutschland mehr als vage, ganz davon abgesehen, dass hierbei nicht zwischen gewollter und ungewollter Kinderlosigkeit unterschieden wird. Da es sich um einen veränderlichen Prozess handelt und im Lebensverlauf aus einer gewollten auch eine ungewollte Kinderlosigkeit werden kann, ist die Ableitung dieser Angaben ausschließlich aus amtlichen Statistiken unmöglich.

Hinsichtlich der aktuellen Kinderzahlen pro Mann oder Frau bzw. Paar galten im Mikrozensus „all jene Frauen als kinderlos, die zum Befragungszeitpunkt noch keine Kinder haben, aber später welche bekommen. Hinzu kommen alle Frauen, deren Kinder zwar noch im Haus leben, aber bereits 18 Jahre alt sind. Ebenso sämtliche Frauen, deren Kinder bereits ausgezogen sind. […] Auch solche Frauen gelten als kinderlos, deren Kinder zwar noch nicht volljährig sind, aber momentan nicht im mütterlichen Haushalt wohnen" ( S. 2). Diese Art der Zählung führte dazu, dass die Zahl der Kinderlosen nicht nur falsch, sondern völlig überschätzt berechnet wurde.

Die Daten, die durch die Standesämter an das Statistische Bundesamt gemeldet wurden, zählten Kinder nur, sofern sie ehelich geboren waren. Eine Frau, die 2 Kinder in ihrer ersten Ehe hatte, fing wieder bei 1 an, sofern sie nach einer Scheidung und erneuten Heirat noch ein Kind bekommen hatte. Für außereheliche Kinder wurde gar keine Reihenfolge erfasst.

Im Jahr 2006 wurde aufgrund dieser defizitären Zählungen eine repräsentative Sondererhebung „Geburten in Deutschland“ durchgeführt. Im Dezember 2007 wurden diese Daten veröffentlicht. Darüber hinaus wurden im Herbst 2007 das Mikrozensusgesetz und das Bevölkerungsstatistikgesetz vom Gesetzgeber angepasst, wodurch nunmehr im Jahr 2008 im Mikrozensus alle 15- bis 75-jährigen Frauen nach der Zahl der geborenen Kinder befragt werden konnten.

Grundsätzlich kann die durchschnittliche Kinderzahl, ebenso wie die endgültige Kinderlosigkeit als genauer Wert erst nach Abschluss der fertilen Phase endgültig angegeben werden. So beträgt sie für die Kohorte der 1961 geborenen Frauen in den alten Bundesländern 1,6 Kinder, in den neuen Bundesländern 1,8. Einfluss auf die Entwicklung dieser Zahl hat einerseits die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau und andererseits die zahlenmäßige Veränderung des Anteils derjenigen Frauen, die kinderlos bleiben. Der Anteil letzterer ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen: Bei den Geburtsjahrgängen 1933 – 1938 lag er zwischen 11 % (Westdeutschland) und 9 % (Ostdeutschland), stieg dann bei den westdeutschen Kohorten auf 19 % und stagnierte bei den ostdeutschen Kohorten bei 7 %. Inzwischen ist der Anteil für die zwischen 1964 und 1968 geborenen ostdeutschen Frauen auf 11 % gestiegen, in den westdeutschen Frauenkohorten auf 22 %. Selbst wenn die derzeit 30- bis 34-jährigen Frauen ihre Familienplanung noch nicht abgeschlossen haben, sinkt mit zunehmendem Erstgraviditätsalter die Wahrscheinlichkeit für ein 2. oder gar 3. Kind. Dabei entscheiden sich Frauen in den neuen Bundesländern häufiger für eine Mutterschaft, allerdings dann eher für ein Kind, während in den alten Bundesländern der Anteil der kinderlosen Frauen größer ist, ebenso wie der Anteil der Mehrkindfamilien.

 

Lesen Sie hier den ausführlichen Artikel

Aus der Zeitschrift PPmP - Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie 2013; 63(09/10): 400-414