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Psychoonkologie – Partnerschaft und Sexualität bei jungen Krebspatienten

AYA (Adolescent and Young Adult)-Patienten sind Personen, die im Alter von 15–39 Jahren an Krebs erkrankt sind. Auch wenn die Überlebenschancen sehr gut sind, handelt es sich um eine schwerwiegende Erkrankung in einer Lebensphase, in der oft Familienplanung und Kinderwunsch im Fokus stehen. K. Geue et al. haben daher die partnerschaftliche und sexuelle Zufriedenheit sowie den Informationsbedarf der Patienten in diesen Bereichen untersucht.

Die Untersuchung basiert auf Daten von 99 AYA-Patienten, die sich nach Abschluss der akuten medizinischen Behandlung sowie gegenwärtig in einer Partnerschaft befanden. Die Teilnehmer beurteilten ihre subjektive Zufriedenheit mit Partnerschaft und Sexualleben über verschiedene Fragebögen.
Glückliche Beziehungen, aber häufig sexuell unzufrieden

Etwa 75 % der AYA-Patienten beurteilten ihre Partnerschaft als glücklich bis sehr glücklich. Geschlechtsunabhängig wies die große Mehrheit der AYA-Patienten (insgesamt 96 %) eine unbelastete Partnerschaftsqualität auf. 77,8 % lebten mit ihrem Partner zusammen, 43,3 % waren verheiratet und 42,2 % hatten Kinder. Die durchschnittliche Dauer der Partnerschaften lag bei 7,6 Jahren (SD = 5,7 Jahre, Range 2 Monate – 23 Jahre).

63,6 % aller AYA-Patienten berichteten eine reduzierte Häufigkeit sexueller Aktivität seit der Krebsdiagnose. Hiervon waren mehr Frauen als Männer betroffen (72 vs. 45 %, z = -2,646, p = 0,008). Insgesamt zeigten sich männliche AYA-Patienten zufriedener mit ihrem Sexualleben als weibliche (t = 2,179, p = 0,032). Jeweils mehr als ein Drittel der Gesamtstichprobe bewertete die Häufigkeit von Sex (36,4 %) und das eigene sexuelle Reaktionsvermögen (37,4 %) als unbefriedigend. Etwa jeder 4. Teilnehmer (26,3 %) gab zudem an, unzufrieden mit der eigenen körperlichen Attraktivität zu sein. Zwischen der partnerschaftlichen und sexuellen Zufriedenheit ergaben sich deutliche Zusammenhänge (r = 0,318 – 0,692; jeweils p = 0,001).

Regressionsanalytisch zeigten sich positive Assoziationen von sexueller Zufriedenheit sowie krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit mit partnerschaftlicher Zufriedenheit. Eine längere Partnerschaftsdauer hing mit geringerer Partnerschaftszufriedenheit zusammen (Varianzaufklärung über das Modell ca. 26 %). Für sexuelle Zufriedenheit als abhängige Variable konnten die Geschlechtsunterschiede repliziert werden (ca. 34 % Varianzaufklärung). Es zeigten sich zudem positive Zusammenhänge von körperlicher Funktionsfähigkeit und Partnerschaftszufriedenheit mit der sexuellen Zufriedenheit. In einem 3. Modell (Varianzaufklärung etwa 44 %) ging ein höheres Bedürfnis nach Unterstützung im Bereich Sexualität mit höherer Fatigue einher. Hohe sexuelle Zufriedenheit hing mit einem geringeren Bedürfnis nach Unterstützung im Bereich Sexualität zusammen.

 

Die partnerschaftliche Zufriedenheit der AYA-Patienten unterscheidet sich nicht von der altersentsprechenden gesamtdeutschen Bevölkerung. Für die psychosoziale Adaptation stellt dies eine wichtige Ressource dar. Da ein Großteil der Patienten sich durch ihr verändertes Sexualleben gestresst fühlte, sollten beratende Gespräche zu sexuellen Themen in die Follow-Up-Untersuchungen mit eingebunden werden, so die Autoren. Da es sich um ein querschnittliches Studiendesign handelt, sind Kausalitätsaussagen nicht möglich. Der ausschließliche Einschluss verpartnerter AYA-Patienten in die Studie begrenzt die Aussagen auf diese spezifische Personengruppe.

 

Quelle: Geue K et al., Psycho-Oncology 2015; 24: 1368-1376, Rezensent(en): Sarah Weusthoff

Aus der Zeitschrift PPmP - Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie 02/2016

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