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Psychosoziale Belastungen nach Brandverletzung

Millionen von Menschen weltweit leiden nach Daten der WHO unter den Folgen von Brandverletzungen. Verbrennungen ziehen auf physischer, sozialer und psychischer Ebene deutliche Beeinträchtigungen nach sich. Die Läsionen führen zum Verlust einer bedeutenden Barrierefunktion gegen Infektionen und andere äußere Einflüsse.

Nach Beendigung der Akutversorgung kommen auf die Patienten Einschränkungen und Belastungen zu. Im körperlichen Bereich ergeben sich Funktionsstörungen und Schmerzzustände der angegriffenen Areale, auch bleiben oftmals Narben. Sonnenexposition kann unangenehm für die betroffenen Hautstellen sein. Die Patienten sind in den Bereichen Hitzeempfindlichkeit, Arbeit und Körperbild beeinträchtigt und sind in ihren alltäglichen Aktivitäten eingeschränkt. So haben Betroffene mit verletzten oder vernarbten Händen Beeinträchtigungen beim Gebrauch von Besteck. Andere haben Schwierigkeiten, die regelmäßige Pflege der betroffenen Hautstellen zu akzeptieren. Dies kann die Lebensqualität vermindern.

Auch auf sozialer Ebene ergeben sich Veränderungen. In einer aktuellen Studie empfand die Mehrheit der Betroffenen ihre Brandverletzung als beeinträchtigend für ihre soziale Integration in die Gesellschaft. Über die Hälfte bestätigte Schamgefühle und gab an, dass die Brandverletzung ein Hindernis zur Kontaktaufnahme mit anderen Menschen sei. Es konnte gezeigt werden, dass Personen mit entstelltem Gesicht ein ähnliches sozial ängstliches Vermeidungsverhalten aufzeigen wie Menschen mit Sozialphobien.

Durch all diese Faktoren und das einschneidende Erlebnis der Verbrennung selbst können sich weitreichende psychische Probleme ergeben. Patienten leiden oft unter Traumatisierung und können eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln, die mit Wiedererleben der Verbrennungssituation und Übererregung einhergeht. Brandverletzte berichten von belastenden Erinnerungen und Schlafstörungen. Auch zeigen Patienten oftmals ein Vermeidungsverhalten gegenüber Reizen, die mit dem Unfall in Verbindung stehen. In den ersten beiden Jahren nach dem Unfall sind 2–45% der Brandverletzten davon betroffen. Depressionen kommen bei Erhebungen mit Selbstbeurteilungsinstrumenten (Fragebögen) mit einer Prävalenz von 4 bis 54% vor.

Patienten berichten davon, angestarrt und unhöflich behandelt zu werden. In einer Studie von Brown et al. gaben über 50% der Patienten an, sich durch ihre Narben stigmatisiert zu fühlen. Sie nahmen an, andere Menschen würden bei ihnen Willensschwäche, Eigenartigkeit oder kriminelle Neigungen vermuten. Auch werden entstellten Personen weniger positive Charaktereigenschaften zugeordnet als unversehrten Menschen. Es ist anzunehmen, dass sich derartige Einstellungen negativ auf die Selbstakzeptanz sowie das Körpergefühl der Betroffenen auswirken.

In der hier beschriebenen Querschnittsuntersuchung wurden brandverletzte Patienten mit unterschiedlichen Zeitintervallen seit dem Unfall zu ihrem aktuellen Befinden in verschiedenen psychischen Bereichen befragt. Hierbei wurden auch Patienten integriert, deren Verbrennung viele Jahre zurückliegt.

 

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Psychosoziale Belastungen zu verschiedenen Zeitpunkten nach Brandverletzung

Aus der Zeitschrift PPmP - Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie 06/2017

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