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Psychotherapie in der palliativen Versorgung

Palliative Versorgung ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Angehörigen, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung und den damit einhergehenden Problemen verbunden sind. Der Erhalt oder die Verbesserung der Lebensqualität ist das wichtigste Ziel palliativer Versorgung und geschieht durch die Vorbeugung und Linderung von Leiden durch die frühzeitige Identifikation, sorgfältige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen und anderen körperlichen, psychosozialen und spirituellen Problemen.

Fallbeispiel

Herr B. (46 Jahre) stellt sich in der psychoonkologischen Ambulanz einer Universitätsklinik vor mit dem Hinweis, man habe ihm gesagt, er hätte noch etwa 6 – 8 Wochen zu leben. Die Ärzte hätten ihm die psychoonkologische Begleitung empfohlen und er wolle dies nun ausprobieren; viel zu verlieren hätte er ja nicht. Herr B. leidet an einem fortgeschritten metastasierten Pankreaskarzinom, das spät, eher durch Zufall, durch die routinemäßige betriebsärztliche Untersuchung entdeckt worden war. Er ist geschieden und Vater eines 12-jährigen Sohnes, zu dem er guten Kontakt habe. Herr B. lebt alleine, eine neue Partnerschaft gibt es nicht. Er arbeitet als Programmierer in einer Computerfirma. Sein Chef weiß inzwischen über seine Erkrankung Bescheid, seine Kollegen nicht. Er macht körperlich zunächst einen überraschend guten Eindruck, ein großer, kräftig gebauter Mann, dem man die Erkrankung, die chirurgischen Eingriffe und Therapien kaum ansieht. Aber sein gesundheitlicher Zustand verschlechtere sich jeden Tag, er hätte zunehmend Schmerzen und leide unter starker Erschöpfung. Er habe nach der Scheidung lange Zeit viel getrunken, dann aber „die Kurve gekriegt“, eine Entwöhnungsbehandlung gemacht und sei seitdem trocken. Die Diagnose komme für ihn überraschend, aber so unerwartet wiederum auch nicht; in seinem Leben sei so viel schief gelaufen. Er ist zurückhaltend und freundlich im Kontakt; wirkt jedoch deutlich niedergeschlagen. Sein Wunsch sei es, die Dinge zu klären, wie es jetzt weitergehen könne in der wenigen Zeit, die ihm bleibe, vor allem in Bezug auf den Umgang mit den zunehmend starken Schmerzen, die er überwiegend nachts habe, und die starke Übelkeit beim Essen bzw. bei der Essenszubereitung. Er möchte wissen, ob eine Patientenverfügung sinnvoll sei bzw. welche Behandlungen er noch machen solle; die palliative Chemotherapie schlage nicht an und er wisse nicht, wie es bei der zu erwartenden Verschlechterung seines Zustands weitergehen könne (ambulante, stationäre Versorgung, Hospiz). Vor allem aber wolle er noch eine Woche Ferien mit seinem Sohn an der Ostsee verbringen, um sich zu verabschieden. Das sei sein wichtigstes Anliegen, bei dem er psychologische Hilfe brauche.

Hintergrund

Neuere Versorgungsmodelle sehen den Stellenwert der supportiven und palliativen Begleitung bereits in einem frühen Behandlungsstadium nach der primären Diagnosestellung („early palliative care“). So empfiehlt die American Society for Clinical Oncology (ASCO), dass Ärzte bereits frühzeitig nach der Diagnosestellung mit Patienten, die an einer metastasierenden Erkrankung oder schweren Symptomen leiden, und ihren Angehörigen über palliative Versorgung sprechen. Die neuen Konzepte weisen neben dem medizinischen Versorgungsbedarf entlang dem Verlauf von der Akutbehandlung über die Phase der chronischen Erkrankung bis zum Fortschreiten der Erkrankung und der Versorgung am Lebensende auch auf mögliche psychosoziale Belastungen und Bedürfnisse an psychosozialer Unterstützung in den einzelnen Phasen hin.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Psychotherapie in der palliativen Versorgung

Aus der Zeitschrift Psychotherapie • Psychosomatik • Medizinische Psychologie 9/2015

 

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