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Psychotherapie via Internet?

Depressionen lassen sich offenbar auch via Internet erfolgreich mittels einer Psychotherapie behandeln. Das haben Wissenschaftler der Universität zu Lübeck in Kooperation mit weiteren Forschern aus Deutschland und der Schweiz gezeigt.

Im Internet gibt es eine Reihe an Programmen, die bei der Bewältigung von Depressionen hilfreich sein können, indem sie dem Nutzer psychotherapeutische Inhalte vermitteln. Sie zählen üblicherweise zu den sogenannten Selbstmanagement-Programmen, bei denen die Inhalte nicht durch einen Therapeuten vermittelt werden, sondern unmittelbar durch das Programm. Bekannt ist, dass solche Programme bei der Behandlung depressiver Symptome wirksam sein können. Allerdings wurden in früheren Studien meist die Nutzer des Programms nach ihren Beschwerden befragt. Die Beurteilung der Wirksamkeit beruhte damit ausschließlich auf den Selbstauskünften der Betroffenen. Daher waren viele Ärzte und Psychologen bislang skeptisch, ob dieser Wirksamkeitsnachweis auch erbracht werden kann, wenn Experten den Verlauf der depressiven Symptome beurteilen.

Im Rahmen ihrer Studie randomisierten die Lübecker Forscher mehr als 1.000 Personen mit leicht bis mittelgradiger depressiven Symptomatik, wobei eine Gruppe die üblichen Behandlung erhielt und die zweite Gruppe zusätzlich Zugang zu einem über das Internet verfügbaren Selbstmanagement-Programm zur Depressionsbewältigung. Ein Jahr lang wurden die Studienteilnehmer zu ihren depressiven Symptomen befragt und regelmäßig von Klinikern hinsichtlich ihrer psychischen Verfassung untersucht.

Das Ergebnis: Bei den zusätzlich via Internet behandelten Studienteilnehmern nahm die Depressionsschwere im Verlauf der Behandlung stärker ab als bei Patienten, die lediglich die übliche Therapie bekamen. Die Nutzer des Programms erreichten außerdem schneller und häufiger eine vollständige Besserung ihrer depressiven Beschwerden. Besonders stark profitierten Patienten, die bislang nicht beim Psychiater oder Psychotherapeuten waren und keine antidepressiv wirksamen Medikamente einnahmen. „Das Programm ist somit eine Bereicherung für Patienten, die wir mit den bestehenden Behandlungsmöglichkeiten nicht erreichen“, sagt der Koordinator der Studie, Dr. Jan Philipp Klein.

Das in der Studie eingesetzt Programm heißt „deprexis“. Es wurde von dem Public-Health-Unternehmen GAIA AG in Hamburg entwickelt. Es vermittelt Strategien zur Depressionsbewältigung, indem es eine Art Dialog mit dem Nutzer führt. Dabei stellt das Programm verschiedene aus der Psychotherapie bekannte Strategien kurz vor und vertieft diese abhängig von der Reaktion des Nutzers.

Quelle: Klein JP et al., 2016, Effects of a psychological internet intervention in the treatment of mild to moderate depressive symptoms: results of the EVIDENT study, a randomised controlled trial. Psychotherapy and Psychosomatics; 85(4): 218-228 (DOI: 10.1159/000445355)

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